VON OTHMAR VON MATT, FLORENCE VUICHARD UND CHRISTOF MOSER

Die Debatte um die Waffenschutzinitiative löst bereits den nächsten Vorstoss aus. Armeewaffen seien für Polizisten kein Problem – im Gegensatz zum Messer: «Sehr viele Jugendliche tragen im Ausgang Messer mit sich herum», sagt SVP-Nationalrätin und Polizistin Andrea Geissbühler im Streitgespräch des «Sonntags» zur Abstimmung. Jugendliche glaubten, sich im Ausgang verteidigen zu müssen, so Geissbühler. Ihr Fazit: «Wir sollten die Gesetzgebung zu den Messern verschärfen. Ausserhalb des Hauses dürften Menschen keine Messer auf sich tragen. Mit Ausnahme von Sackmessern.» Sie bereite einen Vorstoss vor.

Die SVP-Politikerin erhält spontan Unterstützung von ihrer Kontrahentin bei der Waffeninitiative, von SP-Nationalrätin Chantal Galladé: «Falls Sie das Gesetz verschärfen wollen: Ich bin sofort dabei.» Messer hätten auf der Strasse nichts verloren. Heute sind nur mit einer Hand bedienbare Stellmesser und Butterfly-Messer verboten.

Die Kriminalstatistik des Bundesamtes für Polizei zeigt: Rund 5 Prozent der Körperverletzungen erfolgen durch «Hieb- und Stichwaffen». Messer spielen bei 13 Prozent der Raubüberfälle und rund 40 Prozent der vorsätzlichen Tötungsdelikte eine Rolle.
Messer sind vor allem für Jugendliche ein Problem, wie das erste Jugendbarometer zeigt: 12 Prozent der befragten Jugendlichen haben schon eine Streiterei beobachtet oder erlebt, bei der ein Messer im Spiel war, wie eine im Dezember publizierte Studie des Forschungsinstituts GfS Bern zeigt.

Polizistin Geissbühler bestätigt diese Ergebnisse. Sie beobachtet im Berufsalltag Ähnliches: «Ich kenne die Situation in der Stadt Bern: In der Neuengasse und in der Aarbergergasse müssen wir am Freitag- und am Samstagabend die ganze Nacht hindurch einen Patrouillenwagen stationieren, sonst haben wir dort Schlägereien und Messerstechereien.» In der Regel seien es Ausländer – Türken und Leute aus Ex-Jugoslawien. «Die sind sehr dünnhäutig. Ein kleiner Stupser wird als Angriff empfunden», sagt Geissbühler.

Beim Messerverbot sind sich Geissbühler und Galladé einig, bei der Waffeninitiative wollen beide bis zuletzt gegeneinander kämpfen. Wie emotional dieser Abstimmungskampf ist, zeigt auch Ueli Maurer. In seiner gestrigen Rede vor den SVP-Delegierten kritisierte er einmal mehr die waffenkritischen Frauen: «Ich habe den Eindruck, wir haben in der Schweiz komische Frauen. Sie heiraten Verbrecher, und kaum sind sie verheiratet, werden sie von morgens bis abends mit einer Waffe durch die Wohnung gejagt.»

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