Der Butterberg hat im Juni mit 10792 Tonnen eine neue Rekordhöhe erreicht, wie der Geschäftsführer der Branchenorganisation Butter, Peter Ryser, bestätigt. Das entspricht 43 Millionen Kochbutter-Mödeli à 250 Gramm. Aneinandergereiht ergeben die 12 Zentimeter langen Portionen eine Strasse von 5180 Kilometern. Damit kommt man von Lissabon (P) in den höchsten Norden von Norwegen – oder 2,7-mal rund um die Schweiz.

Der massive Butterberg ist das Symbol der anhaltenden Milchkrise. Seit drei Jahren versuchen die Branchenvertreter vergeblich, die Milchschwemme in den Griff zu bekommen. Und nun droht auch der letzte Kompromiss zu scheitern: Vier regionale Milchbauern-Organisationen haben eine Anfechtungsklage gegen die von der Branchenorganisation Milch (BOM) im Mai beschlossenen Massnahmen eingereicht.

Damit ist der Geduldsfaden von BOM-Präsident und CVP-Nationalrat Markus Zemp endgültig gerissen: «Entweder lenkt die eine oder die andere Streitpartei bis im August ein – oder dann regelt der Markt das Problem.» Will heissen: Die Butterlager-Halter Emmi und Cremo werfen die überschüssige Butter auf den Markt – und erhöhen so den Druck auf den Milchpreis. «Dieser würde um etwa 5 Rappen pro Kilo fallen», schätzt Zemp.

Die BOM klärt nun bei einem Juristen ab, ob die Klage vor Gericht Chancen hat. Falls nicht, will sie ihren Entscheid umsetzen. Das heisst: Dann müssen die Bauern für jedes Kilo Milch 1 Rappen in einen Selbsthilfefonds einzahlen – und 4 weitere Rappen für jedes Kilo, das sie gemessen an den früheren Kontingenten zu viel produzieren. Mit diesem Geld würde dann der Butterexport subventioniert und der Butterberg abgebaut. «Das ist unser letzter Kompromiss, ich werde keinen neuen erarbeiten», sagt Zemp. «Jetzt heisst es: Vogel friss oder stirb.»

So, wie es heute aussieht, wird der Vogel eher sterben. Denn die Streitparteien stehen sich unversöhnlich gegenüber. Zankapfel sind die 4 Strafrappen. «Wir werden in diesem Punkt nicht nachgeben, es geht ums Prinzip», sagt Roland Werner, Verwaltungsratspräsident der Thur Milch Ring AG, einer der vier Klägerinnen. Und es geht auch um Geld: Denn die Thur Milch Ring AG wäre ebenso wie die PMO Biedermann/Züger, die PMO Bodensee Milch und die Biomilchpool GmbH am meisten von der Strafabgabe betroffen, haben diese vier Organisationen ihre Milchmengen doch seit dem Fall der Kontingente stark ausgeweitet.

«Wir haben unsere Aufgaben gemacht, uns auf den Markt eingerichtet – und dafür bezahlt», sagt Werner. «Wir sind nicht mehr bereit, immer für die Probleme der anderen zu zahlen.» Die «anderen» werden vertreten von den Schweizerischen Milchproduzenten (SMP). Der Verband stand ursprünglich hinter der Motion von SVP-Nationalrat Andreas Aebi, der eine Lenkungsabgabe von 30 Rappen forderte, kämpfte dann für 15, später für 8 und gab sich letztlich mit 4 Rappen zufrieden.

«Das ist der Kompromiss vom Kompromiss vom Kompromiss», sagt SMP Direktor Albert Rösti. Seine Mitglieder seien nicht bereit, darauf verzichten. «Ansonsten wollen sie auch den Rappen auf der gesamten Milch nicht zahlen.» Rösti hofft, dass der Kompromiss nicht scheitert. «Sonst erwarte ich, dass die Politik aktiv wird.» Und da stehen die Chancen nicht schlecht. Denn so kurz vor den Wahlen will es sich kein Politiker mit den Bauern verscherzen.

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