Eigentlich hätte der Freiburger CVP-Nationalrat Dominique de Buman Grund zur Freude. Immerhin stellt sein Kanton mit Alain Berset (SP) wieder einen Bundesrat. Doch obwohl er zum Siegerlager gehört, in Siegeslaune ist de Buman nicht. «Der Bundesrat repräsentiert die Schweiz nicht mehr richtig», sagt er. Denn mit Ausnahme von Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) wohnen alle Mitglieder der Regierung zwischen Freiburg und Zürich auf einem schmalen Band entlang der A1.

De Bumans Reformvorschlag: «Wir müssen die Verfassung ändern und die Zahl der Bundesräte von sieben auf neun erhöhen.» Noch diese Woche will er eine entsprechende parlamentarische Initiative einreichen. Mit seinem Ansinnen ist er nicht allein. Am Donnerstag deponierte SP-Vizepräsidentin Jacqueline Fehr (ZH) eine gleichlautende parlamentarische Initiative. «Wir haben heute einen geografisch und soziologisch sehr homogenen Bundesrat, welcher der Vielfalt der Schweizer Bevölkerung nicht gerecht wird», sagt Fehr. Ihre Parteikollegin, die Ständerätin Géraldine Savary, lanciert die Diskussion heute Sonntag mit einem Gastbeitrag in «Le Matin Dimanche».

De Buman hat bereits in seinem im Sommer erschienenen Buch «La Suisse en Berne» für eine Aufstockung des Bundesrats auf neun Mitglieder plädiert. Die Kandidatur des zweiten Zürchers Bruno Zuppiger (SVP), der mit der Wahl des Freiburgers Berset verstärkte «Mittelland»-Bundesrat sowie der anhaltende Wählerschwund bei den traditionellen Parteien haben seinem Ansinnen neuen Schub verliehen: «Soll auch künftig das Gros der Wähler in der Regierung vertreten sein, werden sich die meisten Parteien mit einem Sitz zufrieden geben müssen.» Die absehbare Folge: «Keine Partei wird ihren Sitz dem Tessin geben wollen.» Mit neun Sitzen hingegen könnte man dem Tessin einen Sitz fix zusichern.

Das ist dringend nötig. «Im Tessin gibts schon fast Sezessionsbewegungen», sagt SP-Nationalrat Hans-Jürg Fehr (SH), der sich ebenfalls für neun Bundesräte starkmacht. Auch der FDP-Nationalrat Ignazio Cassis, der Jacqueline Fehrs Vorstoss mitträgt, warnt davor, das Tessin weiter zu ignorieren. «Wir müssen das Problem in dieser Legislatur lösen. Sonst überlegen wir uns als Ultima Ratio eine Volksinitiative zu lancieren», sagt Cassis stellvertretend für die Deputation der Tessiner Bundesparlamentarier.

Die Bundesrats-Aufstockung brächte gemäss den Initianten weitere Vorteile. «So können wir den Bundesrat gegenüber der Verwaltung stärken», so Fehr. «Und die Vertretung der Schweiz im internationalen Umfeld verbessern.» Und de Buman ergänzt mit Verweis auf die Schaffung eines Sicherheits- oder Bildungsdepartements: «Die Aufgaben könnten sinnvoller verteilt werden.»

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