Die Zürcher Kantonsratswahlen finden erst in einem Jahr statt, die nationalen Wahlen sogar erst in anderthalb Jahren. Aber hinter den SP-Kulissen rumort es bereits gewaltig, das Ausscheidungsrennen um die Startplätze ist in vollem Gang. Zum Sesseltanz beitragen will, das gilt bei Zürcher Insidern als sicher, Fabian Molina (23), der neue Präsident der angriffslustigen Jungsozialisten (Juso) Schweiz. Der Student und Unia-Sekretär werde, so heisst es, auf der SP-Liste den Sprung in den Nationalrat anpeilen. Mit intakten Chancen.

Molina selbst will sich nicht in die Karten blicken lassen. «Ich habe jetzt eben ein anspruchsvolles, intensives Amt übernommen, dem ich gerecht zu werden versuche», sagt er, angesprochen auf eine mögliche Nationalratskandidatur. «Alles andere ist im Moment kein Thema.»

Aber Molina, ganz in der Tradition seiner Vorgänger Cédric Wermuth und David Roth im Juso-Präsidium, dürfte versuchen, den «Alten» einzuheizen. Schon 2011 griff er langjährige SP-Nationalräte frontal bis unzimperlich an. Andi Gross, Anita Thanei und Christine Goll warf er «blockierende Sesselkleberei» vor, sie hätten «den Kontakt zur Basis merklich verloren».

Goll verzichtete, Thanei scheiterte nicht zuletzt wegen des Juso-Angriffs SP-intern an der Zweidrittelsmehrheit der Zürcher Delegiertenversammlung. Eine Zweidrittelsmehrheit brauchen Bundesparlamentarier, die seit zwölf Jahren im Amt sind. Mieterpräsidentin Thanei, ein Zugpferd der SP, hätte zwar nach internen Protesten auf dem letzten Listenplatz antreten können, aber sie verzichtete auf das als unwürdig empfundene Spektakel.

Nur Andi Gross, seit 1991 im Nationalrat, überstand 2011 den Sturm beziehungsweise erhielt die Zweidrittelsmehrheit. Unter anderem, weil er angab, 2014 Präsident des Europarats zu werden, was dann aber nicht der Fall war, weil die Sozialdemokraten noch nicht an der Reihe waren. Ein Missverständnis für die einen, ein macchiavellistischer Schachzug von Politfuchs Gross für die anderen.

Jedenfalls rätseln Zürcher SP-Vertreter auch jetzt wieder, ob Gross diesmal wirklich aufhören will. Ja, macht Gross klar: «Vor eineinhalb Jahren habe ich schon öffentlich gesagt, dass ich im Herbst 2015 nicht mehr für den Nationalrat kandidiere».

Auf der SP-Nationalratsliste könnte es 2015 noch mehr Platz geben. Jacqueline Fehr (50), seit 1998 im Nationalrat, werden derzeit die besten Chancen eingeräumt, von der Zürcher SP als Regierungsratskandidatin nominiert zu werden. Parteiinterne Beobachter gehen davon aus, dass die bisherige SP-Regierungsrätin Regine Aeppli nicht mehr zur Wahl antritt.

Jacqueline Fehr sagt: «Sollte Regine Aeppli zurücktreten, werde ich mir eine Kandidatur überlegen. Der Kanton braucht in den nächsten Jahren einen Regierungsrat, der mit Zürich einen Beitrag zu einer offenen, modernen und starken Schweiz leistet. Die SP hat auf jeden Fall gute Leute für diese Aufgabe.»

Ebenfalls als mögliche Regierungsratskandidatin gehandelt wird Chantal Galladé (41). Die Anzeichen mehren sich, dass die SP nächstes Jahr bei den Zürcher Wahlen mit drei Kandidaten antritt. Derzeit stellt sie mit Aeppli und Mario Fehr zwei von sieben Regierungsmitgliedern. Galladé sagt: «Das Regierungsratsamt interessiert mich grundsätzlich, aber solche Fragen stellen sich so lange nicht, als es keine Rücktritte gibt.»

Galladé, obwohl jüngstes Mitglied der Zürcher SP-Delegation in Bern, braucht ebenfalls eine Zweidrittelsmehrheit der Zürcher Delegiertenversammlung, wenn sie 2015 nochmals für den Nationalrat antreten will. Denn sie ist bereits seit 2003 in Bern. «Ich bin sehr gerne Nationalrätin, und aus heutiger Sicht würde ich gerne weitermachen», sagt sie.

Im Nationalrat frei werden könnte zudem der Platz von Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch (49). Der Präsident von KV Schweiz gilt parteiintern als aussichtsreichster SP-Anwärter auf eine Ständeratskandidatur. Offen ist derzeit noch, ob die beiden bisherigen Zürcher Ständeräte, Verena Diener (GLP) und Felix Gutzwiller (FDP), 2015 noch einmal antreten.

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