Ungeplante Schnellabschaltungen – wie am Mittwoch in Mühleberg – beschleunigen die Alterung eines Reaktors. Zu diesem Schluss kam das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) nach der letzten periodischen Sicherheitsüberprüfung von Mühleberg: «Eine geringe Anzahl Reaktorschnellabschaltungen verzögert Alterungseffekte», schrieb das Ensi im entsprechenden Bericht von 2002.

Auf Nachfrage des «Sonntags» bestätigt das Ensi: «Reaktorschnellabschaltungen stellen eine Belastung des Reaktorsystems dar.» Die Aufsicht betont jedoch, dass Margen für Belastungsspitzen einberechnet und bei der Beurteilung der Alterung berücksichtigt würden. Seit 1990 kam es im AKW Mühleberg zu 15 ungeplanten Notabschaltungen. Nur im Reaktor 2 von Beznau waren es noch mehr.

Ausser Betrieb nehmen kann das Ensi ein AKW aber erst bei nachweisbaren Alterungsschäden wie etwa zu spröden Wänden des Reaktordruckbehälters. Solange der Betrieb sicher ist, kann das Ensi das AKW nicht abschalten. «Die Festlegung der Restlaufzeit» gehöre nicht zu den Aufgaben des Ensi, betont auch Sprecher Sebastian Hueber. Gemäss SP-Nationalrat Roger Nordmann (VD) ist dies ein Problem: «Die Schnellabschaltung von Mühleberg diese Woche zeigt klar: Alte Reaktoren dürfen nicht unbefristet laufen.»

Die Politik, der Gesetzgeber müsse die Laufzeiten festlegen. «Wir können diese Aufgabe nicht einfach dem Ensi überlassen. Denn ein AKW abzustellen braucht Mut, denn dieser Entscheid hat grosse ökonomische Konsequenzen.» Nordmanns Partei- und Ratskollege Eric Nussbaumer (BL) verlangt per Postulat, dass der Bundesrat in einem Bericht Wege aufzeigt, wie die heute unbefristeten Betriebsbewilligungen wieder befristet werden könnten.

Offiziell will die Aufsichtsbehörde den Vorstoss nicht kommentieren. Ungelegen kommt er ihr aber nicht, wie der «Sonntag» weiss. Denn die unbefristeten Laufzeiten stellen auch das Ensi vor Probleme. Direktor Hans Wanner jedenfalls liess jüngst durchblicken, dass er mit der heutigen Regelung nur bedingt zufrieden ist. An der Nuklearforums-Tagung Ende Januar in Olten regte er an, dass die AKW-Betreiber von sich aus ein Betriebsende angeben sollten. Das würde die Arbeit des Ensi erleichtern.

Theoretisch können Reaktoren gemäss Ensi-Schätzungen bis zu 60 Jahre am Netz bleiben. Für Beznau hiesse das etwa bis 2030 – und damit zehn Jahre länger als vom Bundesrat angenommen.

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