Linke und rechte Zuwanderungskritiker erhoffen sich Auftrieb von der Debatte um die acht Millionen Einwohner, die seit diesem Sommer offiziell in der Schweiz leben. Diese Woche konkretisierte der Umweltschützer Franz Weber, was er im Juli schon im «Sonntag» angekündigt hatte: Er wirbt für die Volksinitiative des Vereins Ecopop, die eine Beschränkung der Einwanderung verlangt. Eine ähnliche Initiative der SVP ist bereits zustande gekommen.

Für die Wirtschaftsverbände, die Webers erfolgreiche Zweitwohnungsinitiative lange Zeit unterschätzt hatten, ist die aktuelle Diskussion ein Weckruf. Es sei zwar keine neue Erkenntnis, dass die Schweiz acht Millionen Einwohner habe, sagt Thomas Daum, Direktor des Arbeitgeberverbands. «Aber wir beobachten natürlich, dass die Skepsis gegenüber der Zuwanderung und der Personenfreizügigkeit grösser geworden ist.»

Daum warnt nun davor, dieses Unbehagen zu unterschätzen. «Wir dürfen nicht warten, bis die Volksabstimmung kurz bevorsteht», sagt er. «Die Wirtschaft muss in den nächsten Monaten stärker als bisher die Fakten hinter der Zuwanderung erklären, Zusammenhänge darlegen und auf die Alternativen hinweisen.» Der Kernpunkt für Daum: «Unsere Wirtschaft hätte sich in diesen schwierigen Zeiten nie so gut behaupten können ohne die vielen qualifizierten Zuwanderer. Der Schweizer Arbeitsmarkt stand im internationalen Vergleich noch nie so gut da.» Es gebe zwar in manchen Gegenden der Schweiz Probleme am Wohnungsmarkt und bei der Infrastruktur. Diese hätten allerdings nur bedingt mit der Zuwanderung zu tun.

Entscheidend sein wird, ob sich die Haltung der Spitzen der Wirtschaftsverbände mit der Stimmung an der Basis deckt. Eine Umfrage des Lausanner Instituts für Wirtschaft- und Sozialforschung M. I. S. Trend kam Ende Juni zum Resultat, dass 57 Prozent der Chefs von kleineren und mittleren Unternehmen in der Westschweiz die SVP-Einwanderungsinitiative unterstützen würden.

Auch in der Wirtschaft nehme der Widerstand gegen die Einwanderung zu, sagt der Bahnunternehmer Peter Spuhler, der als Nationalrat zum Wirtschaftsflügel der SVP gehört. Die Infrastruktur sei bereits mit acht Millionen Einwohnern am Anschlag. «Wenn man als Zugpassagier in der ersten Klasse stehen muss, stimmt etwas nicht mehr», sagt er. «Zehn Millionen Einwohner ertragen wir nicht.» Spuhler hat die Initiative der SVP nicht unterschrieben, weil diese auch eine Kündigung der bilateralen Verträge nicht ausschliesst. Einen «anderen Beschränkungsmechanismus» würde er aber unterstützen, sagt er.

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