VON OTHMAR VON MATT

Der Parlamentarier, der namentlich nicht genannt werden will, erinnert sich genau. Nach der Ernennung von Jens Alder und William Angst als Informatik-Troubleshooters im VBS habe er Ueli Maurer in der Wandelhalle persönlich gewarnt: Ob er wisse, dass er sich mit dem Duo Alder/Angst möglicherweise Probleme einhandle? Maurer dankte ihm für den Hinweis.

Der Parlamentarier hatte auf zwei Problemfelder hingewiesen: auf die enge Verbandelung des Duos und auf die zumindest durchzogene Berufskarriere Angsts. In der Tat wohnen die Familien Alder und Angst nicht nur in Sichtweite: an der Rebbergstrasse in Wohlen, nur hundert Meter entfernt. Sondern die beiden Familien sind auch eng miteinander befreundet, wie mehrere Quellen bestätigen. Alder und Angst unternehmen gemeinsam Biketouren und halten sich zusammen in Alders Ferienwohnung in Andermatt auf. Ein Weggefährte benutzt in einem E-Mail gegenüber dem «Sonntag» deutliche Worte: «Ich werde den Verdacht der Vetternwirtschaft nicht los.»

Der damalige Swisscom-CEO Alder hatte Angst auch zum Chef der Swisscom Immobilien gemacht. Und 2009 zum Leiter der Taskforce Informativ VBS. «Ich habe mir gewünscht, dass er diese Aufgabe übernimmt», sagte Alder Ende 2009 im «SonntagsBlick».

Alder selbst erhält von SVP-Chefstratege Christoph Blocher Lob. «Technisch und von der Seriosität her ist Herr Alder ein ganz hervorragender Mann», sagt Blocher im Interview (siehe rechts). Das fand ich immer. Ich halte ihn für fähig.» Diese Aussagen sind insofern erstaunlich, als der damalige Bundesrat Blocher 2005 Alders Swisscom-Expansionspläne mit der Eircom stoppte. Alder verliess daraufhin die Swisscom. Es war aber nicht Blocher, der Maurer Alder empfahl. Sondern ein VBS-interner Vertrauter.

Sein Freund Angst hingegen könnte sich für Alder und für Ueli Maurer zur ernsthaften Hypothek entwickeln. VBS-Insider wie externe Wegbegleiter äussern Vorbehalte zu seiner Kompetenz. «Herr Angst wird in der Presse immer wieder als erfolgreicher Troubleshooter genannt», schreibt der Insider in seinem E-Mail. «Ich zweifle an dieser Aussage.» VBS-intern ist das nicht anders. «Angst stochert überall herum und stiftet per Dekret Unruhe», sagt ein ranghoher VBS-Vertreter. Bisher habe er von ihm erst ein rudimentäres Blatt Papier zu Gesicht bekommen mit Aussagen, die auch er selbst problemlos hätte machen können. Angst sei eine Einzelmaske, der das Know-how für den speziellen Laden VBS fehle.

Ein Blick auf die Berufskarriere von Angst scheint die Kritik zumindest teilweise zu erklären. Die Wohlener Cellpack AG, die Angst von 1995 bis 1998 als Delegierter des Verwaltungsrats und Präsident der Geschäftsleitung führte, sei danach in «desolatem Zustand» gewesen, sagt ein Firmeninsider.

Giorgio Behr, Wirtschaftsprüfer und Unternehmer, übernahm die Firma und gründete die Behr Bircher Cellpack BBC. Zu Angst will sich Behr nicht äussern. Zum damaligen Zustand der Cellpack sagt er: «Es war ein hartes Stück Arbeit, die Sache wieder auf Vordermann zu bringen. Heute sind wir glücklich und zufrieden.»

Es fällt auf, dass Angst auch bei seinen nächsten Stationen nur kurze Zeit tätig war. Im November 1999 holte ihn Heinrich Villiger als Co-Leiter und mutmasslicher Führungsnachfolger in die Villiger-Gruppe. Bereits 2000 ging Angst wieder. Anfang 2001 wurde er Chef der Baumgartner Papiers. Ende August 2003 ging er auch da, «im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Verwaltungsrat». Unter Angsts Führung habe die Firma «einen massiven Niedergang» erlebt, schrieb die «SonntagsZeitung» 2005.

Dass das Duo Alder/Angstnun von der Boston Consulting Group (BCG) zum Trio vervollständigt wird, ist kein Zufall. Die BCG habe zu Alders Zeiten mehrfach Swisscom-Aufträge erhalten, sagt ein Insider. Interessant ist, dass Armeechef André Blattmann Maurer explizit vom BCG-Engagement abgeraten hat. Das bestätigt ein ranghoher VBS-Vertreter.

Konfrontiert mit den Recherchen, geben sich VBS, Alder und Angst wortkarg. Zum Vorwurf der Vetternwirtschaft schreibt das VBS: «Die Vergabe des Auftrags erfolgte aufgrund eines Anforderungsprofils und wurde departementsintern diskutiert.» Und: «Zum Privatleben von Angestellten und externen Beratern äussert sich das VBS nicht.» Zur Kritik an Angsts Kompetenz heisst es: «Jeder Troubleshooter hat Kritiker.»

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