Einmal mehr greift ein Abstimmungskomitee zu unlauteren Mitteln in einem Abstimmungskampf.
Diesmal richtet sich der Vorwurf gegen das überparteiliche Komitee Alliance Santé, das gegen die Einheitskasse mobil macht. Die Initiative, die nur noch eine Krankenkasse für alle Krankenversicherten in der Schweiz will, kommt am 28. September vors Stimmvolk. Am Freitag lief im Schweizer Fernsehen die «Arena» zur Vorlage. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Abstimmungskampf jetzt in die heisse Phase kommt.

Facebook-Nutzer staunten allerdings nicht schlecht, als letzte Woche in einem gesponserten Werbeteaser im sozialen Netzwerk auf die SRF-«Arena» hingewiesen wurde mit dem wenig neutralen Text: «Arena zur schädlichen Einheitskasse». Wer auf den gesponserten Link klickte, landete auf der SRF-Website mit dem gewohnt sachlichen Hinweis auf Thema und Gäste der «Arena».

Dass SRF keine Abstimmungspropaganda betreibt, sondern der Link auf die «Arena»-Website offensichtlich manipuliert sein musste, zeigte sich dann auf der Facebook-Seite von Alliance Santé. Dort liess sich der abgeänderte SRF-Link auf die Diskussionssendung im Original finden, zusätzlich ergänzt mit dem Text: «Letzte Chance für die linken Initiantinnen. Auch nach drei Monaten Abstimmungskampf gelang es den Initianten nicht, ein Argument für die Einheitskasse zu liefern. Eventuell in der Arena?» Dieser Link führte ebenfalls auf die SRF-Website, was den Eindruck erweckte, es handle sich dabei um einen SRF-Inhalt.

Recherchen zeigen: Das Gegenkomitee machte sich zunutze, dass SRF-Links bei der Einbindung in Social Media frei editierbar sind und damit nach Belieben umgeschrieben werden können – eine Nachlässigkeit des Fernsehens.

Konfrontiert mit dem manipulierten Werbeteaser für die «Arena», reagierte SRF gestern Samstag umgehend: «Das Komitee hat SRF-Inhalte ohne unser Wissen und Einverständnis verändert. Wir haben das Komitee aufgefordert, die Posts unverzüglich zu entfernen», so SRF-Sprecherin Andrea Wenger. Was kurz darauf geschah: Obwohl die Betreiber der Facebook-Seite von Alliance Santé die Manipulationsvorwürfe gegenüber der «Schweiz am Sonntag» zuerst abstritten, entfernten sie nach der SRF-Intervention den abgeänderten «Arena»-Link und teilten schriftlich mit: «Wir bedauern, wenn ein falscher Eindruck erweckt wurde.» Keine Angaben machen wollten sie zur Frage, wer die Facebook-Seite betreut.

Doch auch hier helfen schliesslich Recherchen weiter: Verantwortlich für den Facebook-Auftritt von Alliance Santé ist die Werbeagentur Fruitcake. Kein Geheimnis ist, dass die Alliance-Santé-Kampagne von Farner PR koordiniert wird.

Es ist nicht das erste Mal, dass windige Werbefirmen in Abstimmungskämpfen zu unlauteren Mitteln greifen. Im Abstimmungskampf zur Abzocker-Initiative flog auf, dass eine für Economiesuisse tätige Werbeagentur Studenten im grossen Stil für Leserkommentare gegen die Initiative in Onlinemedien bezahlte.

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