Das Lob für ihre «Initiative für eine grüne Wirtschaft» kam von höchst unerwarteter Seite und entzückt die Grünen bis heute: «Diesem Vorschlag muss man gewisse Sympathie entgegenbringen», sagte 2011 Dominique Reber, damaliges Geschäftsleitungsmitglied des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse. «Mit dieser Initiative versuchen die Grünen, echte Probleme zu lösen. und legen dabei Sachverstand an den Tag.»

Nachhaltig waren diese Worte zum Ärger der grünen Partei allerdings nicht. Rebers Aussage, der bald darauf zu Hirzel, Neef, Schmid Konsulenten wechselte, korrigierte Economiesuisse bereits 2012 in einem Brief an den Bundesrat. Von Sympathie für einen ökologischen Umbau der Wirtschaft war 2013 im Vernehmlassungsverfahren für die Revision des Umweltgesetzes, das Bundesrätin Doris Leuthard (CVP) als Gegenvorschlag zur grünen Initiative vorschlägt, beim Wirtschaftsdachverband auch offiziell nichts mehr übrig.

«Das Ziel der Initiative klingt gut, der Weg ist aber falsch. Staatliche Regulierung vom Ansatz des ökologischen Fussabdrucks abhängig zu machen, ist nicht praktikabel», sagt Kurt Lanz, Dominique Rebers Nachfolger bei Economiesuisse. «Den Gegenvorschlag sehen wir nicht als Alternative, weil der Bundesrat keinen Blankocheck für den ökologischen Umbau der Wirtschaft erhalten sollte und eine Revision des Umweltgesetzes zum jetzigen Zeitpunkt unnötig ist.»

Entsprechend eifrig hat Economiesuisse lobbyiert – mit Erfolg: Die ständerätliche Umweltkommission hat nicht nur die Initiative der Grünen abgelehnt, sondern auch den Gegenvorschlag aus dem Departement Leuthard – mit den Stimmen der CVP-Vertreter. Das gleiche Schicksal droht der Vorlage kommende Woche auch im Ständerat.

Recherchen der «Schweiz am Sonntag» zeigen: Mindestens 7 der 13 CVP-Ständeratsmitglieder wollen am Donnerstag bei den Beratungen im Ständerat den Gegenvorschlag ihrer eigenen Bundesrätin ablehnen. Neben den Umweltkommissionsmitgliedern René Imoberdorf, Ivo Bischofberger und Filippo Lombardi sind die Ständeräte Urs Schwaller, Konrad Graber, Paul Niederberger und Isidor Baumann gegen die Revision. Pirmin Bischof, Peter Bieri und Brigitte Häberli-Koller haben sich nach eigener Aussage noch nicht entschieden, die drei weiteren CVP-Ständeratsmitglieder waren nicht erreichbar. Da FDP-Ständerat Raphaël Comte Leuthards Gegenvorschlag zustimmt, sind, um das Gesetz zu kippen, insgesamt 11 Nein-Stimmen aus der CVP nötig. Diese will Economiesuisse unter anderem mit gezieltem Lobbying bei den beiden CVP-Ständerätinnen auf seine Seite holen.

Leuthards Prestigeprojekt steht damit auf der Kippe – torpediert aus der eigenen Partei. Dort heisst es, Doris Leuthard werde an der CVP-Fraktionssitzung nochmals für die Vorlage werben. «Ein Nein wäre für uns parteipolitisch besser, dann können wir uns mit der Initiative profilieren», sagt Grünen-Co-Präsidentin Regula Rytz. «Trotzdem hoffen wir auf ein Ja, weil wir den ökologischen Wirtschaftsumbau möglichst rasch wollen.»

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