Wie viel kostet die Stilllegung der Schweizer AKW? Und wie hoch sind die Kosten der Nachbetriebsphase und der Entsorgung der Abfälle? Diese Fragen beantworten alle fünf Jahre die Kostenstudien von Swissnuclear, der Fachgruppe für Kernenergie der AKW-Betreiber.

Auf total 20,65 Milliarden Franken kam die Kostenstudie 2011: 2,97 Milliarden für die Stilllegung der Anlagen, 1,7 Milliarden für die Nachbetriebsphase und 15,97 Milliarden für die Entsorgung der Abfälle. Damit lagen die Gesamtkosten 10 Prozent höher als 2006.

Wie hoch sind diese Kosten 2016? Werden sie noch vor der Abstimmung vom 27. November zur Atomausstiegs-Initiative publiziert?

Nein, heisst es beim Stilllegungsfonds für Kernanlagen und Entsorgungsfonds für Kernkraftwerke (Stenfo). Dieser prüft die Kostenstudie. Komme es zu keiner zeitlichen Verzögerung, «werden die ungeprüften Zahlen noch im Dezember 2016 veröffentlicht», sagt Stenfo-Geschäftsführer Max Zulliger. «Auf jeden Fall erst nach der Abstimmung vom 27. November.»

Das ist brisant. Zulliger betont aber, dass der Terminplan rund um die Kostenstudien 2016 «lange vor der Bekanntgabe des Abstimmungstermins vom 27. November» festgelegt worden sei. «Die neutrale und unabhängige Fondsorganisation nimmt keine Rücksicht auf die Abstimmung», sagt er. «Die Stilllegungs- und Entsorgungskosten ändern sich bei einem Ja nicht. Die AKW-Betreiber müssten einfach ihre Beiträge schneller in die Fonds einzahlen.»

«Das nukleare Erbe wird immer teurer»
Das stösst den Ausstiegs-Befürwortern. sauer auf. «Das ist unsäglich», sagt SP-Fraktionschef Roger Nordmann. «Man will verstecken, dass die Spätkosten des damaligen Atomeinstiegs immer am Steigen sind.» Grünen-Präsidentin Regula Rytz hält fest: «Es ist kein Zufall, dass diese Studie erst nach der Abstimmung kommt. Die Bevölkerung soll nicht wissen, dass das nukleare Erbe immer teurer wird.» Und SP-Nationalrat Eric Nussbaumer betont: «Aus staatspolitischen Gründen wäre es sehr wichtig, dass der Bundesrat diese Zahlen vor der Abstimmung veröffentlicht – um einen sorgfältigen Entscheid zu ermöglichen.»

Anders sieht das Hans-Ulrich Bigler. «Der Kostentreiber ist die Ausstiegs-Initiative selbst», sagt der FDP-Nationalrat und Direktor des Gewerbeverbands. «Diese verursacht direkt Milliardenkosten, weil getätigte Investitionen an sicheren Kernkraftwerken nicht amortisiert werden können.» Stellten die Ausstiegs-Befürworter die Kosten infrage, hätten sie die Initiative zurückziehen müssen.

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