VON KURT-EMIL MERKI UND OTHMAR VON MATT

Der Aufwand, den das Schweizer Fernsehen für die Dokusoap «Alpenfestung» betreibt, ist beträchtlich. Wie hoch das Budget ist, wird indes als Geheimsache behandelt. SF-Sprecher David Affentranger: «Wir machen keine Angaben zu den Kosten einzelner Sendungen.»

Der «Sonntag» hat gerechnet. Die 15 «regulären» Abendsendungen dauern zwischen 17 und 18 Minuten. Gemäss einem Gewährsmann muss bei dieser Art von Sendung mit Produktionskosten von rund 3000 Franken pro Minute gerechnet werden. Allein dies ergibt schon einen Betrag von über 700 000 Franken. Dazu kommen jeweils am Freitag drei halbstündige Best-of-Ausgaben, die Auftaktsendung vom 24. Juli dauerte ebenfalls 30 Minuten.

Insgesamt sind in der Festung und auf dem Bauernhof 33 Akteure beschäftigt (darunter 5 Kinder). Diese bekommen gemäss SF eine Spesenentschädigung in unbekannter Höhe. Auch die Experten, die in jeder Sendung Auskunft erteilen, stehen nicht gratis zur Verfügung.

Laut Sebastian Hueber vom VBS erhält Militärexperte Rudolf Jaun, der insgesamt viermal zum Zuge kommt, pro Sendung 1100 Franken. Insgesamt dürften für Spesen-entschädigungen rund 30 000 Franken budgetiert worden sein.

Schwieriger zu beziffern sind die Aufwendungen für die Werbung. Ganzseitige Inserate in der Tages- und Sonntagspresse belasten das Budget mit weit über 100 000 Franken. Ob die Kosten für die Trailer, die SF auf dem eigenen Sender ausstrahlt, intern verrechnet werden, ist nicht klar.

Am 7. August werden die fiktiven Festungs-Soldaten zum Schiessen auf den Schiessplatz Wasserfallen/Glaubenberg abkommandiert. Das VBS wird die nicht bekannten Kosten für Material und Personalaufwand (vier bis sechs Stunden) in Rechnung stellen.

Auch zwei Festungswächter, die den Bunker betreiben, werden vom SF entschädigt. VBS-Sprecher Hueber betont, dass dieser «Einsatz in der Freizeit» vom Chef der Armee, André Blattmann, bewilligt worden sei. Zusätzlich gilt es Miet- und Instandstellungskosten für das Heimetli in Emmeten zu berappen.

Alles in allem dürften sich das Budget für die Sendereihe «Alpenfestung – Leben im Réduit» auf etwa eine Million Franken belaufen. Zu dieser Zahl sagt SF-Sprecher Affentranger: «Völlig falsch.» Die zur Verfügung stehenden Mittel seien gleich hoch wie vor zwei Jahren bei den «Pfahlbauern von Pfyn», obwohl heute zwei Standorte mehr betrieben werden müssten. Zwischen den Zeilen lässt Affentranger durchblicken, dass die Aufwendungen etwa eine halbe Million Franken betragen.

Solange allerdings die Zahlen nicht offengelegt werden, bleibt unklar, ob das «Alpenfestung»-Budget auf einer echten Vollkostenrechnung basiert.