VON CHRISTOF MOSER UND FLORENCE VUICHARD

Herr Schwaller, sind Sie für staatlich regulierte Bankerboni, wie es die EU-Finanzminister neuerdings fordern?
Urs Schwaller: Nein. Ich bin aber für Vorschriften, dass Boni nicht mehr für kurzfristige Erfolge ausbezahlt werden dürfen.

Unterstützen Sie eine Schweizer Beteiligung an der Militärmission Atalanta gegen somalische Piraten?
Ich habe in der Fraktion Nein gestimmt.

Sind Sie für günstige Parallelimporte bei Medikamenten?
Nein, denn Medikamentenpreise sind staatlich festgesetzt.

Für Rentenalter 67?
Nein.

Sind Sie für die Pauschalbesteuerung reicher Ausländer?
Ja, aber die Grundlage der Besteuerung muss dem Vermögen entsprechen. Liegt die Basis bei nur 150 000 Franken, dann will auch ich pauschal besteuert werden!

Braucht die Schweiz neue AKWs?
Ich bin für den Ersatz zweier bisheriger Atomkraftwerke – aber nur, wenn die Lagerung der radioaktiven Abfälle geregelt ist. Gleichzeitig muss der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion gesteigert werden: von heute nur rund zwei auf zehn Prozent.

Sechs Fragen, sechs klare Antworten. Herr Schwaller, woher kommt Ihr Ruf, Sie seien ein Zauderer und Zögerer?
Ich weiss genau, was ich will. Aber ich überlege, bevor ich rede und handle. Und vielleicht würde es dem Bundesrat ja ganz gut anstehen, auch wieder mehr zu denken, bevor er handelt.

Sie wären als Bundesrat nicht überstürzt nach Libyen gereist?
Möglicherweise schon, aber nicht überstürzt. Hätte ich zudem unterwegs erfahren, dass ich Gaddafi nicht treffen kann, hätte ich rechtsumkehrt gemacht.

Muss Merz’ Trip nach der Rückkehr der Geiseln Konsequenzen haben?
Eine gründliche Aufarbeitung ist unabdingbar. Es geht um das Verhältnis unter den Bundesräten sowie gegenüber den Kantonen und der Justiz.

Was sagen Sie zur Idee, die Geiseln militärisch zu befreien?
Ich halte nichts davon. Ich bin nur für Auslandseinsätze, wenn sie friedenserhaltend sind. Solche Befreiungsaktionen sind auch logistisch für uns eine Nummer zu gross.

Wie unterscheiden Sie sich von den FDP-Kandidaten Christian Lüscher und Didier Burkhalter?
In drei Punkten: Erstens habe ich eine langjährige politische Erfahrung auf allen Stufen. Zweitens bringe ich die Sensibilität einer Minderheit mit. Ich bin in zwei Sprachen und zwei Kulturen daheim und damit der beste Garant und Brückenbauer für Minderheiten.

Und drittens?
Ich kenne die Dossiers aus der Gesundheits- und Sozialpolitik. Ich könnte also das Innendepartement vom ersten Tag an führen.

Wen würden Sie wählen, wenn Sie selber nicht zur Wahl stünden?
Ich kenne die zwei FDP-Kandidaten zu wenig. Beide haben sich nie zu Fragen aus dem Innendepartement engagiert. Mich kann man beurteilen, die FDP-Kandidaten nicht.

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