Das Treffen in Hamburg war hochkarätig. Das Präsidium des Verbands Schweizer Medien weilte Ende Woche in der Hansestadt. Die wichtigsten Schweizer Verleger trafen sich aber nicht zur Geheimaussprache, sondern zum jährlichen Austausch mit Verlegern aus deutschsprachigen Ländern. Der Streit der privaten Verleger mit der SRG war dennoch ein Thema.

Schon in sechs Tagen läuft die Frist ab, die Medienministerin Doris Leuthard der SRG und den privaten Verlegern gesetzt hat: Sie sollten sich einigen, ob die SRG auch im Internet werben darf und was die Gegenleistung an die Verlage ist. Enden die monatelangen Verhandlungen ohne Resultat, wird wohl die Politik entscheiden, was die SRG im Internet darf und was nicht.

Recherchen zeigen: Es ist unwahrscheinlich, dass es bis 31. März zu einer Einigung kommt. «Die SRG setzt alles daran, dass es eine gute Lösung gibt», sagt zwar Iso Rechsteiner, Leiter Unternehmenskommunikation der SRG. «Unsere Angebote liegen auf dem Tisch.» Und er betont: «Die gemeinsame Entwicklung eines umfassenden, ausgewogenen Modells der Zusammenarbeit wäre ein medienpolitischer Meilenstein.» Insider im Umfeld der Verleger sagen aber: «Die Verhandlungen sind in allen Punkten auf guten Wegen.» Sie halten gleichzeitig fest: «Der Knackpunkt ist das Geld.» Es gehe ums «Eingemachte»: «Wer gewinnt Umsatz? Die Verleger oder die SRG?» Offiziell wollen die Verleger nichts sagen, beide Seiten haben sich zum Schweigen verpflichtet.

SRG und Verleger hatten drei Arbeitsgruppen gegründet, um zu einer Verständigung zu kommen. In der ersten geht es um die Online-Werbung. Die zweite befasst sich damit, wo sich die SRG selbst beschränken kann. Die dritte sucht nach Kooperationsmöglichkeiten.

In den Arbeitsgruppen hätten sich neue Fakten ergeben, heisst es aus Verlegerkreisen: Die Argumentation der SRG, ihr drohten die herkömmlichen Werbegelder wegzubrechen, sei nicht nachzuweisen. Es seien vertiefte Abklärungen nötig. Weil die Bevölkerung wachse, nähmen zudem die Gebühren zu. Der Widerstand kommt vor allem von Tamedia, NZZ und Ringier. Diese Grossverlage investieren in News-Portale und wehren sich, dass die gebührenfinanzierte SRG ihnen dort Konkurrenz machen will.

Die SRG argumentiert mit dem Wandel im Medienbereich. Im Kampf um Werbegelder träten neue Akteure auf wie Youtube, Google oder Facebook oder auch Gerätehersteller. «Die SRG hat ein hohes Interesse an einem eigenständigen und vitalen Medienplatz Schweiz», so Rechsteiner. «Über kurz oder lang müssen wir ihn als Ganzes vermarkten.» Werbeauftraggeber wollten schon heute crossmediale Gesamtpakete. Auch würden immer mehr Werbekampagnen in London, Frankfurt oder Tokio beschlossen. «Die Schweiz muss sich da als mediale Werbeplattform verkaufen.»

Was geschehen könnte, sollte es bis 31. März keine Einigung geben, deutete Leuthard an: Dann entscheide die Politik. Schon im Juni 2010 hatte sich der Bundesrat grundsätzlich auf die Seite der SRG geschlagen. Dürfte Leuthard die Frist aber verlängern, scheint eine Einigung möglich. Ihr Departement wollte sich dazu nicht äussern.

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