Das neue Feminismus-Papier, das die Juso-Spitze demnächst ihren Delegierten vorsetzt, ist radikal im Ton: «Keine Befreiung der Frau ohne Sozialismus – kein Sozialismus ohne Befreiung der Frau» lautet eine der Thesen.

Nicht nur die Frau, sondern alle «(A-)Sexualitäten, Gender-Identitäten und Lebensformen» sollen laut dem Papier befreit werden: «Hier muss unser Weg der Queerfeminismus sein», heisst es im Papier.

Radikal ist das Papier der Jungsozialisten auch im Inhalt. Dieser «Befreiung» stehe eine altehrwürdige Institution im Weg. Die Ehe. Also müsse sie weg. Die Ehe sei ein «überholtes Konstrukt», steht im Feminismus-Papier. Die Juso lehnten es «auf lange Frist ab». Bis es so weit sei, müsse die Ehe geöffnet werden «für alle Geschlechter und Konstellationen».

Juso-Präsident Fabian Molina (24) begründet es so: «Die Ehe bevorzugt heute ein Lebensmodell. Die Norm ist: ein Mann, eine Frau. Wir wollen aber diese Freiheiten und Rechte für alle, egal welchen Lebensmodells.» Also gehöre die Ehe abgeschafft.

Dem Schwyzer SVP-Ständerat Peter Föhn stehen die Haare zu Berge ob dieser Aussicht: «Das ist eine bireweiche Idee», sagt er. Für ihn ist klar: «Es wäre für unsere Gesellschaft verheerend, würde sie abgeschafft.» Die Ehe sei eine sehr gute Institution, und zwar nicht nur aus katholischer und christlicher Sicht. «Die Familie ist Fundament des Staats, die Ehe hält sie zusammen», sagt der Ständerat. «Das Kind braucht Nestwärme, braucht ein Zuhause.»

Fabian Molina hält dagegen: «Wir wollen niemandem etwas wegnehmen. Wer heiraten will, soll das auch künftig im privaten Rahmen tun können. Die dazugehörigen Rechte sollen aber allen offen stehen, die ihre Lebensgemeinschaft absichern wollen.» Innerhalb der Juso-Mutterpartei SP gehen die Meinungen auseinander. Die Berner Nationalrätin Margret Kiener Nellen, die am Freitag gerade Hochzeitstag feierte und seit 33 Jahren verheiratet ist, gewinnt dem Institut Ehe immer noch Positives ab: «Im Idealfall kann die Ehe eine gute Grundlage für die Familienführung sein und Stabilität bringen.» Einen Vorbehalt hat sie: «Wenn wider Erwarten die CVP- Initiative angenommen wird, werden ungeheuerliche Kriterien in der Bundesverfassung verankert. Dann schaffen wir die Ehe gescheiter ab.»

Die Initiative «Für Ehe und Familie – gegen die Heiratsstrafe» will in die Verfassung schreiben: «Die Ehe ist die auf Dauer angelegte und gesetzlich geregelte Lebensgemeinschaft von Mann und Frau. Sie bildet in steuerlicher Hinsicht eine Wirtschaftsgemeinschaft.»

Radikaler ist der Aargauer Nationalrat und Ex-Juso-Chef Cédric Wermuth. Er ist gerade mit seinem Töchterchen im Arm im Bundeshaus unterwegs und sagt: «Der Staat hat einem nicht vorzuschreiben, wie man zu leben hat. Entweder wird die Institution Ehe vollständig geöffnet oder abgeschafft.»

Und wie hält es Juso-Chef Molina? «Nein, heiraten werde ich nie», schwört er. «Aber für meine Freundin und mich wäre es toll, wenn wir trotzdem die gleichen rechtlichen Möglichkeiten hätten.»

Am 20. Juni sollen die Juso-Delegierten in Genf über das Papier entscheiden. Es enthält auch viele andere Forderungen wie einen Elternschaftsurlaub nach skandinavischem Vorbild: Je einen Monat bezahlte Absenz für beide Elternteile. Plus weitere 10 Monate.

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