VON KATIA MURMANN

Schweizer Professoren sind an Deutschschweizer Hochschulen in der Minderheit. Das zeigen Zahlen, die das Bundesamt für Statistik für den «Sonntag» ausgewertet hat. So hatten an den Deutschschweizer Unis im Jahr 2008 nur noch 48 Prozent der Professoren einen Schweizer Pass. 33 Prozent der Hochschullehrer kamen aus Deutschland, 9 Prozent aus dem übrigen Ausland.

Besonders beliebt sind bei den akademischen Einwanderern die Geisteswissenschaften und die Theologie: Von 12 Professoren an der Theologischen Fakultät der Uni Luzern waren im Jahr 2009 gerade einmal drei Schweizer, sieben haben hingegen einen deutschen Pass. Ebenso sieht es an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät aus: Sieben heimische Professoren stehen in Luzern elf Deutschen gegenüber.

Damit der Schweizer Professor im eigenen Land nicht zur bedrohten Spezies wird, führen die Universitäten nun einen Job-Vorrang für Schweizer ein: «An der Universität Basel haben die Kommissionen den Auftrag, bei Berufungen Schweizer und weibliche Kandidaten besonders zu berücksichtigen», sagt Antonio Loprieno, Rektor der Universität Basel, gegenüber «Sonntag».

Auch an der ETH Zürich wurden bei gleicher Eignung bereits Schweizer vorgezogen, ebenso an der Universität Zürich: «Bei gleicher wissenschaftlicher Qualifikation ziehen wir die Schweizerinnen und Schweizer vor», sagte die Zürcher CVP-Nationalrätin Kathy Riklin gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Der neue Patriotismus an den Hochschulen zeigt Wirkung: So waren im vergangenen Jahr unter den 23 Professoren, die neu an die Uni Basel berufen wurden, erstmals wieder mehr Schweizer als Ausländer: 16 Schweizer und nur sechs Deutsche sowie ein Brite bekamen eine Professur. An der Universität Zürich wurden 2009 27 neue Professoren aus der Schweiz und nur 22 aus Deutschland berufen. Einen Trend will Antonio Loprieno von der Uni Basel daraus jedoch noch nicht ableiten: «Es ist eine gute Entwicklung, aber wir müssen dieses Jahr abwarten, um zu sehen, ob tatsächlich eine Umkehr stattfindet.»

Laut Loprieno, der auch Präsident der Schweizerischen Rektorenkonferenz (CRUS) ist, sind die Schweizer Hochschulen für den Schweizer Nachwuchs nicht attraktiv genug. Das will die CRUS
ändern und hat deshalb Massnahmen erarbeitet, um Schweizer Nachwuchswissenschafter speziell zu fördern. Bei ihrer nächsten Sitzung wird sie eine entsprechende Empfehlung an den Bundesrat verabschieden.

Konkret will die Rektorenkonferenz mehr Geld für den akademischen Mittelbau. So sollen ab 2012 auf dem Weg von der Promotion zur Habilitation zusätzliche, besser bezahlte Stellen geschaffen werden. «Wir wollen die guten Leute früh in der akademischen Laufbahn an die Hochschulen binden», erklärt Antonio Loprieno.

Die Vereinigung der Schweizerischen Hochschuldozierenden begrüsst diese Massnahmen: «Das ist der richtige Weg. Heute entscheiden sich viele Nachwuchswissenschafter lieber für den besser bezahlten Job in der Wirtschaft als für eine unsichere akademische Karriere», sagt Generalsekretär Gernot Kostorz, emeritierter Professor für Physik an der ETH Zürich.

Der SVP gehen die Massnahmen noch immer nicht weit genug. «Die Uni Zürich muss bestrebt sein, den Anteil der deutschen Professoren zugunsten von besser qualifizierten Professoren aus anderen Ländern zu senken», fordert Alfred Heer, Nationalrat und Präsident der Kantonalzürcher SVP. Er kündigt an: «Die SVP des Kantons Zürich wird einen entsprechenden Vorstoss einreichen.»

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