Tausende von Arbeitnehmern, Gewerblern und Vertretern sind jeden Tag auf Schweizer Strassen unterwegs – und nutzen das Auto als mobiles Büro, in dem sie ungestört telefonieren können. Für die Raucher unter ihnen ist es einer der wenigen Orte, wo sie sich noch eine Zigarette anstecken dürfen.

Mit dieser Freiheit soll es bald vorbei sein. Denn jetzt kommt aus: Wird am 23. September die Initiative «Schutz vor Passivrauchen» vom Volk angenommen, gilt neu auch in Geschäftsautos, das von einer Einzelperson benutzt wird, ein absolutes Rauchverbot. Das bestätigt das Bundesamt für Gesundheitswesen (BAG). Pressesprecherin Simone Buchmann: «Im Text der Volksinitiative heisst es: ‹Nicht geraucht werden darf in allen Innenräumen, die als Arbeitsplatz dienen›. Dies betrifft Geschäftsautos wie auch Einzelbüros».

Über das Rauchverbot in Einzelbüros ist es diese Woche zum Streit zwischen Bundesrat und den Initianten gekommen. Der verantwortliche SP-Bundesrat Alain Berset hat diese Forderung als Argument aufgenommen, um aufzuzeigen, dass die Initiative viel zu radikal ist und deshalb zur Ablehnung empfohlen wird.

Dass das Verbot weit über das Einzelbüro hinausgeht, wie nun klar wird, bringt die Initianten noch stärker in Erklärungsnot. Kommt dazu: Das Verbot würde nicht nur im Auto, sondern zum Beispiel auch für den Kranführer in seiner Kabine gelten. Offen ist zudem, ob das Rauchverbot sogar Angestellte, die von zu Hause aus arbeiten, betrifft. Bei einer allfälligen Annahme der Volksinitiative müsse auch die Frage der Home-Büros geprüft werden, meint das BAG.

Die Initianten haben realisiert, dass ihr Volksbegehren wegen der radikalen Forderung zu scheitern droht. Sie werfen Bundesrat und den Gegner «verwerfliche Fehlinformation vor». Barbara Weber, Mediensprecherin der Lungenliga Schweiz, sagt: «Die Volksinitiative stellt sicher, dass endlich alle Arbeitnehmenden vor dem schädlichen Passivrauchen geschützt werden. Am Einzelarbeitsplatz kann weiterhin geraucht werden, sofern keine Dritten durch Passivrauchen beeinträchtigt werden. Aus diesem Grund ist klar, dass in Räumen ohne Publikumsverkehr wie Lastwagen- oder Krankabine geraucht werden darf – wenn diese nicht von mehreren Personen benutzt werden».

Dem widerspricht das Bundesamt für Justiz, das den Text für das BAG analysiert hat. «Der Wortlaut der Initiative ist in diesem speziellen Punkt von seltener Eindeutigkeit. Die Tatsache, dass die Initianten ihre Position relativieren, vermag an der klaren Aussage nichts zu ändern», sagt Folco Galli, Informationschef des Bundesamtes für Justiz. Wird die Initiative angenommen, kann sie nur durch das Parlament korrigiert werden. «Dieses hat die Möglichkeit, die Interpretation der Lungenliga aufzunehmen und das Rauchen an Einzelarbeitsplätzen zu gestatten», sagt BAG-Sprecherin Buchmann.

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