VON FLORENCE VUICHARD

Herr Perrin, am Donnerstagmorgen vor der Abstimmung zum Staatsvertrag lag bei allen SVP-Parlamentariern die Stimmvorgabe aus der Parteispitze vor.
Ja, der Morgenbefehl lag vor. «Eindringlich» wurden wir zur Stimmenthaltung aufgefordert.

Sie haben sich nicht daran gehalten und Nein gestimmt. Wieso?
Als geschichtsinteressierter Bürger weiss ich, dass es nur einen Fall gibt, bei dem die Gesetze rückwirkend abgeändert wurden: als die Vichy-Regierung beschlossen hatte, die Juden und Kommunisten rückwirkend zu verfolgen. Ich wollte nicht, dass die Schweiz hier nachzieht: Als die UBS-Kunden ihr Geld auf die Bank brachten, hatte man ihnen versichert, dass es sicher war.

Wurden Sie für Ihr Nein von der Parteispitze zurechtgewiesen?
Mit mir zu schimpfen, wäre wirklich eine sehr, sehr schlechte Idee gewesen. Mein Deutsch ist zwar schlecht, aber ich hätte mit den entsprechenden Schimpfworten antworten können!

Wie geht es jetzt weiter?
Ich habe der Parteileitung gesagt, dass ich meinen Posten als Vizepräsident abgeben will. Nach dieser Session war für mich definitiv klar: Ich werfe nicht Geld und Zeit für meine Partei auf – und werde dann intern noch als Idiot beschimpft. Soll doch ein anderer die Alibifigur in der Romandie spielen.

Im Gegenzug planen Sie nun, eine Gegengruppe zur SVP-Fraktion zu gründen, wie der «Blick» meldet?
Es ist keine Gruppe mit Statuten und offiziellen Ämtern. Wir wollen uns einfach jede Session zusammensetzen und wichtige Themen diskutieren.

Mit von der Partie sind Oskar Freysinger, Yves Nidegger und Dominique Baettig – alles Romands. Ein Zufall?
Ich denke, dass auch Deutschschweizer zu uns stossen werden, auch wenn man mir versichert, dass der Slalomkurs der letzten Wochen in der Deutschschweiz kein Problem sei. In der Romandie ist er eines. Die SVP kämpfte für eine PUK, unsere Ständeräte dagegen. Die SVP war gegen den Staatsvertrag, dann plötzlich dafür und letztlich wollte sie sich enthalten. Wie kann ich das den Leuten erklären.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!