VON OTHMAR VON MATT

Herr Noser, Sie haben als Bundesrats-Kandidat einen Blitzstart hingelegt.
Ich mache seit vielen Jahren Politik, brachte mich mit Leib und Seele ein. Ich arbeitete lange daran, mich voll in die Politik einbringen zu können. Deshalb war ich darauf vorbereitet, sollte eine allfällige Bundesrats-Frage an mich herantreten. Ich bin mit mir im Reinen. Ich kann das und will es.

Dass Sie mit Ihrer ganzen Familie für ein Jahr nach Genf zogen, zeigte Ihre Ambitionen an.
Seit ich in Bern bin, arbeite ich hart daran, mich jede Session zu verbessern. Das Genfer Programm gehört dazu. Es ging nicht nur um die Sprache, sondern auch darum, die Kultur einer anderen Agglomeration wie Genf kennen zu lernen.

Was könnten Sie in die Regierung einbringen?
Wichtig ist, dass die Fraktion eine qualitativ hochstehende Auswahl hat. Immerhin habe ich als Unternehmer und Politiker über die Fraktionsgrenzen hinaus den Nachweis erbracht, dass ich Lösungen schaffen kann. Ich habe mich sehr für Arbeitsplätze, Bildung und Forschung engagiert. Ich habe in diesen Kernthemen einen grossen Leistungsausweis. Ich bin ein Politiker, der sich mit unternehmerischem Hintergrund bewirbt. Ich bin nicht nur Unternehmer.

Sie bauten das Unternehmen mit heute 500 Arbeitsplätzen auf?
Es sind 450 Vollzeitstellen. Mein Bruder hat die Firma 1984 gegründet. Ich stiess 1986 dazu, als sie rund ein Dutzend Angestellte hatte. 1996 schied mein Bruder aus. Es halfen sehr viele gute Leute mit. Aber ich bin sicher der rote Faden in dieser Geschichte.

Heute ist es eine globale Firma.
Wir haben heute Standorte in mehreren Schweizer Städten. Wir sind in Frankfurt, Ottawa und Malaysia vertreten und wir haben 200 Kunden in 100 Ländern.

Das setzen Sie alles aufs Spiel?
Nein. Sollte ich gewählt werden, ist der Fortbestand des Unternehmens gesichert und meine Nachfolge geregelt.

Sie würden alles abtreten?
Sollte ich gewählt werden, würde ich mich von sämtlichen Wirtschaftsinteressen trennen.

Sie hatten Schwierigkeiten mit der FDP-Spitze. Ein Hindernis?
Ich machte zehn Jahre in der FDP-Geschäftsleitung mit, war davon sechs Jahre Vizepräsident. Ich verschrieb mich dieser Partei mit Leib und Seele und engagierte mich auch nach meinem Rücktritt. Ich glaube, das ist ein wichtiger Leistungsausweis.

Können die Freisinnigen den Sitz halten?
Ich konnte in diesem Land eine sehr erfolgreiche Karriere machen. Ich komme aus einfachsten Verhältnissen, konnte über die Berufsbildung sehr viel lernen, traf auf eine Wirtschaft, die für neue Leute offen war. Selbst wenn diese kein Vitamin B hatten. Es wäre sehr wichtig, jemanden in der Regierung zu haben, der dafür kämpft, dass die Ausgangslage für die Jungen so bleibt. Und der der heutigen Jugend mitteilen kann: Dieses Land bietet viele Chancen, packt sie. Das ist die Motivation für mich. Die Frage lautet: Was bringe ich? Und nicht: Was ist meine Chance?

Sie waren ja sogar Legastheniker.
Ich war in der Volksschule ein so genannter Schulversager. Das darf man so sagen. Weil meine Legasthenie nicht entdeckt wurde. Trotzdem konnte ich hier sehr erfolgreich arbeiten. Das Land gab mir sehr viel. Das möchte ich zurückgeben.

Sie nehmen das Risiko in Kauf, dass Sie möglicherweise nur Bundesrat auf Zeit wären?
Für mich ist es sonnenklar, dass die Bundesversammlung nach den Wahlen 2011 das Recht hat, die Regierung anders zusammenzusetzen. Das werde ich selbstverständlich akzeptieren.

Wollen Sie zum Moderator zwischen Werk- und Finanzplatz werden?
Das Gemeinsame, das Werk- und Finanzplatz haben, ist viel wichtiger als das Trennende. Dank dem Finanzplatz haben wir tiefe Zinsen, einen starken Franken und ein sehr hohes Steuereinkommen. Dank dem Werkplatz haben wir hoch innovative Arbeitsplätze. Das geht Hand in Hand. Beide sind entscheidend für die Zukunfts- und Innovationsfähigkeit des Landes. Dafür engagiere ich mich.

Ihre Frau und ihre vier Kinder sind mit der Kandidatur einverstanden?
Was ich bis jetzt tat, geht nur, wenn man auch die Frau dazu hat. Dieses Glück habe ich. Ich habe ihre Unterstützung für meine Kandidatur.

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