VON OTHMAR VON MATT UND FLORENCE VUICHARD

Herr Lüscher, wären Sie als brillanter Anwalt auch ein brillanter Bundesrat?
Christian Lüscher: Ich weiss es nicht, hoffe es aber. Gewisse Parlamentskollegen sagen, ich besitze die Qualitäten, um Bundesrat zu werden.


Was qualifiziert Sie als Bundesrat?
Ich bin fähig, grosse Dossiers schnell zu verstehen. Ich habe echte Ideen und auch Lust, sie umzusetzen. Ich bin ein grosser Arbeiter . . .


Das sieht man Ihnen gar nicht an.
Aber ich bin es. Am Freitag war ich um 5.30 Uhr im Büro. Während der Session ist es für mich eine grosse Herausforderung, meine Arbeit in Genf und Bern zu verbinden. Und ich bin auch jemand, der fair spielt, Respekt vor den Institutionen hat. Hat der Bundesrat eine Entscheidung getroffen, wäre ich einer der besten Verteidiger dieser Entscheidungen. Loyalität und Treue sind mir wichtig.


Auch wenn Sie dagegen waren?
Ja. Ich machte das schon in der Partei. Als die FDP das Verbandsbeschwerderecht abschaffen wollte, fand ich, es sei eine Letzigrund-Initiative. Die Parteispitze wollte aber, dass ich dies in der Westschweiz propagiere. Das tat ich, obwohl ich wusste, dass die Erfolgschancen in der Romandie fast null waren. Heute verteidigen die Bundesräte die Beschlüsse des Gremiums mit zu viel Distanz. Das Auftreten des Bundesrates ist schwach.


Dass Bundesrätin Calmy-Rey noch während einer Libyen-Pressekonferenz von Bundespräsident Merz SMS an Journalisten versenden lässt, um Distanz zu markieren . . .
. . . das ist absolut inakzeptabel. Jetzt sprechen alle von Regierungsreformen. Das ist aber nur ein Vorwand, um die Dinge nicht sofort besser machen zu müssen.


Was zum Beispiel?
Entscheidend ist, wie sich die Bundesräte benehmen. Die Revolution beginnt in ihren Köpfen. Heute haben wir sieben Departementschefs – und nicht einen Bundesrat. Der Bundesrat als Ganzes regiert, er ist das Organ, das entscheidet. Und die Beamten setzen um. Deshalb hat es für mich auch absolut keine Bedeutung, welches Departement ich übernehme. Ich möchte mich zu verschiedensten Themen äussern.


Sie möchten sich überall einmischen wie einst Christoph Blocher?
Nein, nein. Ich möchte einfach in verschiedenen Bereichen an den Entscheiden der Gesamtregierung partizipieren.


Vielleicht verstehen sich die Bundesräte einfach nicht.
Dann muss man halt alles unternehmen, damit man sich gut versteht. Ich zum Beispiel habe harte politische Gegner wie etwa den Genfer SP-Nationalrat Carlo Sommaruga. Mit ihm bin ich nicht in einem einzigen Punkt einverstanden. In der Rechtskommission liefern wir uns ständig Schlagabtausche. Aber es ist immer ein Kampf der Ideen, nie der Personen. Danach trinken wir
einen Kaffee zusammen.


Sind Sie eigentlich ein Leader?
In den Wahlen, in denen ich antrat, war ich jedenfalls eher die Lokomotive als ein Waggon.
Gemäss «Sonntag»-Recherchen war es ja FDP-Präsident Fulvio Pelli, der Sie zur Kandidatur ermunterte.


Lesen Sie das ganze Interview in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!