Wenn jetzt am kommenden Wochenende über die Abzocker-Initiative abgestimmt würde: Würden Sie diese annehmen oder ablehnen?» So fragte das Meinungsforschungsinstitut Isopublic zwischen dem 10. und 12. Januar 1019 Stimmberechtigte in einer Omnibus-Befragung für den «SonntagsBlick». Das Resultat: 54 Prozent sagten Ja, 30 Prozent Nein und 16 Prozent waren unentschlossen.

«Wenn morgen schon über die Abzocker-Initiative abgestimmt würde, wären Sie dann bestimmt dafür, eher dafür, eher dagegen oder bestimmt dagegen?», wollte das Forschungsinstitut GfS vom 14. bis 19. Januar von 1217 repräsentativ ausgewählten Stimmberechtigten in der ganzen Schweiz für eine SRG-Umfrage wissen. Das Resultat: 65 Prozent sind bestimmt oder eher dafür, 25 Prozent bestimmt oder eher dagegen, 10 Prozent unentschlossen.

Zahlen, die Fragen aufwerfen. In Umfragen, die nur um wenige Tage verschoben sind, trennen zwei Institute beim Ja-Anteil zur Abzocker-Initiative ganze 11 Prozent. Das lässt die Branche nervös werden. Im Fokus der Kritik steht dabei vor allem Isopublic. Er traue dieser Umfrage einfach nicht, hatte der Co-Initiant der Abzocker-Initiative, Claudio Kuster, auf «Newsnetz» gesagt. Und er folgerte: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie stimmt.» Noch im April 2012 hatte eine GfS-Umfrage im Auftrag von Economiesuisse der Abzocker-Initiative eine sehr hohe Popularität nachgewiesen. 77 Prozent der Befragten sprachen sich für die Initiative aus (24 Prozent waren «eher» dafür, 53 Prozent «bestimmt»). Bis vor einem halben Jahr wiesen Meinungsumfragen zur Abzocker-Initiative stets Zustimmungsraten von mindestens 75 Prozent aus. Mit der Umfrage von Isopublic schienen diese plötzlich zu erodieren, Ständerat Thomas Minder sprach von einer «Katastrophen-Umfrage».

Die 65 Prozent der GfS-Umfrage im Auftrag der SRG haben Minder und Co. wieder etwas beruhigt. «Nicht beunruhigt» von den 11 Prozent Unterschied zeigt sich hingegen Matthias Kappeler, Geschäftsführer von Isopublic: «Die Differenz ist kleiner, als sie auf den ersten Blick aussieht. Reduziert man die beiden Umfragen nur auf Ja und Nein, beträgt der Unterschied nur noch 5 Prozent.»

Frappant ist die Differenz in Sachen Stimmbeteiligung. Isopublic geht von 69 Prozent aus, GfS von 37 Prozent. Das Forschungsinstitut betont aber in der Analyse, mit dem Verlauf des Abstimmungskampfes nehme die Stimmbeteiligung in der Regel zu. 69 Prozent seien «zu hoch», sagt Kappeler. «Das ist uns bewusst.»

Isopublic zähle aber bei emotionalisierenden Abstimmungen bewusst jene zusammen, die «ganz sicher» oder «wahrscheinlich» teilnähmen. «Die Emotionalisierung ist ein Treiber.» Zudem habe das GfS den Kanton Tessin in der Umfrage, sagt Kappeler. «Wir nicht. Nach meiner Einschätzung wird das Tessin die Initiative deutlicher annehmen als die Restschweiz.»

Ähnliches analysiert man bei GfS. «Unterschiede müssen anhand der Methode gesucht werden», sagt GfS-Sprecher Lukas Golder. «Wir stellen bei unserer Studie auf bestimmt Teilnehmende ab und führen sie als Einzelstudie bei eigenständig rekrutierten Stimmberechtigten in drei Sprachregionen durch.» Isopublic hingegen stelle auch auf wahrscheinlich Teilnehmende ab und habe die Studie in der Omnibus-Methode in zwei Sprachregionen durchgeführt. Golder: «Dies dürfte die Unterschiede erklären.»

Kappeler ortet noch einen weiteren Punkt, der die Ja-Werte von GfS höher liegen lasse: «Als wir die Umfrage durchführten, hatte die SVP des Kantons Zürich ihr Ja noch nicht gefällt.» Das tat sie am 15. Januar, gleich zu Beginn der GfS-Befragungswelle.

Eines wird Isopublic aber hinter vorgehaltener Hand vorgeworfen: Dass das Institut seine Fragestellung bisher nicht veröffentlicht hat. Obwohl das nach den Richtlinien des Verbands Schweizer Markt- und Sozialforscher (VSMS) hätte geschehen müssen. «Die Mitglieder sollten sich an unsere Richtlinien halten», sagt VSMS-Präsident Roland Rosset dazu.

Es sei gut möglich, dass sich die Unterschiede der beiden Umfragen reduzierten, sagt Golder. «Wir planen eine zweite Umfrage und werden diese zehn Tage vor der Abstimmung publizieren.» Auch Isopublic wird möglicherweise eine zweite Umfrage veröffentlichen. Golder würde dies, im Sinne der Transparenz, «sehr begrüssen».

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