Mit Namen will sich in der CVP praktisch niemand äussern. Zu delikat ist die Situation vor der Woche der Wahrheit: Am Dienstag treffen sich die Kantonalpräsidenten, um die Lage der CVP zu diskutieren. Und am Freitag die Mitglieder der nationalen Fraktion.

Doch die Aussagen eines einflussreichen CVP-Politikers sind brisant. «Es gibt zwei ernsthafte Optionen», betont er. «Entweder wir fusionieren mit der BDP – und sie willigt ein dazu. Oder wir wählen Eveline Widmer-Schlumpf ab und stellen damit der BDP die Luft ab.»

Die Aussagen haben es in sich. Der Politiker bewegt sich damit auf der Linie von Präsident Christophe Darbellay, der unbedingt eine Fusion mit der BDP möchte, und zwar möglichst schnell, wie mehrere Insider bestätigen. Darbellay liegt damit im Clinch mit Fraktionschef Urs Schwaller. Dieser findet, die CVP solle nun zunächst die eigenen Hausaufgaben machen. Schwaller weiss CVP-Bundesrätin Doris Leuthard auf seiner Seite, wie Insider sagen.

Stand heute, nach mehreren Gesprächsrunden zwischen BDP und CVP, plädieren Leuthard und Schwaller wie Widmer-Schlumpf und Grunder für die Schaffung eines Kooperationsgremiums zwischen den beiden Parteien mit Vorsitz der CVP. Darbellay hingegen drängt weiterhin auf einen schnellen, weitergehenden Schritt: die Fusion.

Dafür aber habe Darbellay einen strategisch entscheidenden und fahrlässigen Fehler gemacht, sagt der Politiker. Weil er im ganzen Wahlkampf stets betonte, er werde Eveline Widmer-Schlumpf wiederwählen. Und sie dermassen lobte, dass es dem Vernehmen nach selbst seiner eigenen Bundesrätin zu bunt wurde und sie intervenierte.

Damit gab er einen entscheidenden Trumpf aus der Hand. Doch hier setzt der CVP-Politiker ein. Kantonalpräsidenten und Fraktionsmitglieder müssten das nun nächste Woche diskutieren. Es spreche gleich viel dafür, Widmer-Schlumpf nicht wiederzuwählen und der BDP damit das Wasser abzugraben, wie für eine Fusion. Denn die BDP hole sehr wohl Wähler bei der CVP, glaubt er. Im Gegensatz zur ersten Analyse, welche man auf dem CVP-Sekretariat gemacht hat. «BDP-Präsident Hans Grunder ist auf dünnem Eis», sagt der Politiker.

Die Fusions-Linie selbst wird von Politikern wie Franz Hollinger, Präsident der CVP des Kantons Aargau, und dem Berner Stadtregierungsmitglied und Ex-Generalsekretär Reto Nause befürwortet (siehe «Sonntag» vom 13.11.). Nauses Begeisterung für die Fusion ist kein Zufall. Denn er erlebt derzeit in der Stadt Bern, was möglich ist, wenn die Mitte eng zusammenarbeitet. Politbeobachter halten es sogar für möglich, dass CVP, BDP, EVP und Grünliberale bei den städtischen Wahlen 2012 die rot-grüne Regierung zum Kippen bringen könnten, die seit 1996 an der Macht ist. Das könnte insbesondere dann gelingen, wenn es das Mitte-Bündnis schafft, auch die Grüne Freie Liste, der liberale Arm der Grünen, an Bord zu holen.

Andere CVP-Politiker stehen – wie Schwaller – einer Fusion sehr skeptisch gegenüber. «Wir müssen unser Profil stärken. Eine Fusion mit einer Partei, von der wir nicht wissen, wofür sie steht, wäre eher eine Gefahr als ein Gewinn», sagt etwa Martin Schwegler, Präsident der CVP Luzern. Ähnlich argumentiert auch die Zürcher CVP-Präsidentin Nicole Barandun: «Mir ist lieber, die CVP bleibt eine kleine Partei mit klarem Profil, als dass sie zu einer grösseren profillosen Jekami-Partei fusioniert wird.» Sie sei jedenfalls nicht bereit, zum Machterhalt inhaltliche Kompromisse einzugehen.

Beides – der Fusionshunger der einen sowie der Ruf nach eigenständigerem CVP-Profil der anderen – bringt BDP-Chef Grunder in Bedrängnis. Denn die Unterstützung für die Wiederwahl seiner Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf bröckelt. Ganz gratis, wie es bisher aussah, wird Hans Grunder die CVP-Stimmen wohl doch nicht erhalten.

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