Die TV-Zuschauer staunten nicht schlecht, als am Freitagabend nach dem Auftritt von Grünliberalen-Chef Martin Bäumle in der Sendung «Parteien zur Wahl» SF-Moderator Urs Wiedmer zu einer weitreichenden Entschuldigung ansetzte. Am Vorabend sei FDP-Chef Pelli zu Gast gewesen, sagte Wiedmer, um dann fortzufahren: «Im Filmbeitrag zur Legislaturbilanz (der FDP) hatte es Fehler, die Erfolge der FDP wurden zu wenig gewürdigt. Dafür entschuldigen wir uns.» Und weiter: «Aus Gründen der Fairness» zeige man deshalb jetzt «nochmals eine neue Legislaturbilanz der FDP».

Was dann folgte, kann als spektakuläre Verwandlung der am Vorabend als Verliererpartei dargestellten FDP in eine Erfolgspartei gesehen werden: Aus Bundesrat Hans-Rudolf Merz, der in der Libyen-Affäre versagte, wurde Merz, der die Bundesfinanzen im Griff hatte. Aus dem Freisinn, der unter dem Eindruck von Pleiten und Pannen bei den Banken unablässig Wahlen verliert («Mit den Aktienkursen leidet auch die FDP»), wird eine Partei, die «in der Mehrheit aller Volksabstimmungen in der letzten Legislatur auf der Gewinnerseite» steht.

Dieser Verwandlung vorausgegangen war akribische Fleissarbeit auf dem FDP-Generalsekretariat, die «bis in die frühen Morgenstunden» gedauert habe, wie Generalsekretär Stefan Brupbacher sagt. Noch während die Sendung lief, sah sich die FDP unfair behandelt. Mitarbeiter analysierten daraufhin die Abstimmungssendungen der anderen Parteien und kamen zum Schluss, dass die FDP negativer dargestellt wurde als alle anderen. «Im Beitrag hiess es zudem, die FDP habe sich gegen Bankenregulierungen gewehrt, was nachweislich eine Fehlinformation ist», so Brupbacher.

Am Freitagmorgen drohte die FDP deshalb, das SF in einer Medienmitteilung frontal anzugreifen, wie es in TV-Kreisen heisst. Titel der geplanten Mitteilung: «Legislaturrückblick durch SF – unwahr, tendenziös, hinterhältig und schädlich». Doch so weit kam es nicht.

SF-Chefredaktor Diego Yanez, der den Beitrag vor der Ausstrahlung nicht gesehen hat, nach der FDP-Intervention jedoch das Skript analysierte, gab von sich aus nach. «Wir haben gravierende Fehler gemacht, die nicht hätten passieren dürfen», sagt Yanez gegenüber dem «Sonntag». Die Darstellung, die FDP habe sich gegen Bankenregulierungen gewehrt, sei «objektiv falsch» gewesen. «Zähneknirschend» habe er deshalb der FDP angeboten, eine korrigierte Bilanz auszustrahlen. «Wir werden analysieren, wie es zu diesem Fehler kommen konnte. Dazu werden noch Gespräche stattfinden», so Yanez weiter.

«Für uns ist die Affäre mit der Entschuldigung und der Korrektur abgeschlossen», heisst es bei der FDP. Tatsächlich droht die Affäre in eine neue Runde zu gehen: Die FDP sieht sich benachteiligt, weil auf der SF-Homepage nicht nur die fehlerhafte Bilanz, sondern die ganze Sendung mit Pelli entfernt wurde. Beim SF betont man, das sei in solchen Fällen «gängige Praxis».

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!