Das Statement scheint zurückhaltend. «Ich entscheide mich dann, wenn die Partei das Wahlverfahren eröffnet hat», sagt Gerhard Pfister – auf die Frage, ob er für das CVP-Präsidium kandidiere. Ein Dementi hört sich definitiv anders an. Es wäre auch fehl am Platz. Das zeigen Recherchen. Vertraute von Pfister sind überzeugt, dass der Nationalrat kandidieren wird.

Noch im März hatte wenig darauf hingedeutet. Pfister veröffentlichte seinen Essay «Gedanken zu einer bürgerlichen Trendwende». Im Nachgang sagte Pfister in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» auf die Frage, ob er Präsident werden wolle: «Ich kenne meine Grenzen und meine Fähigkeiten.» Die Nachfrage – «Sie schliessen es aus?» – beantwortete er mit «Ja». Pfister galt in der CVP als politischer Aussenseiter.

Das ist heute anders. In der Partei sei inzwischen «eine neue konservative Bewegung spürbar», stellt ein Parlamentsmitglied fest. Sie gibt Pfister Schub. Ende März war es zwischen SVP, FDP und CVP zum bürgerlichen Schulterschluss gekommen. Diese bürgerlichere Grundstimmung war an der Delegiertenversammlung vom April spürbar. Pfister machte dabei gegenüber der «Schweiz am Sonntag» eine Aussage, die aufhorchen liess: «Die CVP sollte sich der FDP annähern. Diese ist der Benchmark. Sie soll der Brückenkopf zur SVP sein.»

Pfister gilt als Macher, als strategischer Kopf, der für «ein christliches, liberales und konservatives Menschenbild» steht, wie er im Essay schrieb. Seit 12 Jahren sitzt er im Nationalrat. Zuvor präsidierte er zehn Jahre lang die CVP des Kantons Zug und positionierte sie mit Erfolg wirtschaftsliberal. Heute ist sie in Zug mit 26,8 Prozent stärkste Partei.

Wäre es die Fraktion, die über den neuen CVP-Präsidenten entschiede, hätte Pfister kaum ernsthafte Chancen. Zu viele Feinde hat er sich mit seiner teilweise aufbrausenden Art gemacht. Da aber die DV den Präsidenten wählt, gilt Pfister inzwischen als Kronfavorit. Dies auch, weil sich ernsthafte Gegenkandidaten aus dem Spiel nehmen. Pfisters prädestinierter Gegenspieler aus dem linken CVP-Lager, Nationalrat Stefan Müller-Altermatt (SO), winkt dezidiert ab. «Das kommt für mich aus persönlichen Gründen nicht infrage», sagt er. Er habe vier Kinder. Und die Präsidien von Transfair, Netzwerk Schweizer Pärke und Gemeinde Herbetswil seien «Herzensangelegenheiten».

Kaum etwas zu holen gibt es auch bei den Bündner CVP-Vertretern. Ständerat Stefan Engler, Wunschkandidat vieler, hat via «NZZ» eine Absage erteilt. Auch Nationalrat Martin Candinas, jugendlicher Hoffnungsträger, tendiere zum Nein, weil es wohl zu früh komme, heisst es in seinem Umfeld. «Für mich gibt es nur ein politisches Ziel, und dies ist meine Wiederwahl. Davor habe ich Respekt», sagt er selbst. «Wir wollen als CVP grundsätzlich zurück auf die Siegesstrasse und in Graubünden zweitstärkste Partei werden. Dafür kämpfe ich.»

Ständerat Pirmin Bischof (SO) spricht von einem «sehr spannenden Job». Es sei «neben einem Exekutivamt die öffentlichkeitsträchtigste Funktion, die eine Partei zu vergeben» habe. Bischof hält auch fest, für einen Milizparlamentarier mit Anwaltskanzlei wäre das «eine grosse Herausforderung und sehr schwierig». Bischof gilt in erster Linie als Bundesrats-Kandidat. Genauso wie Ständerat Filippo Lombardi (TI).

Nicht wirklich in die Karten blicken lassen sich die Vizepräsidentinnen Elisabeth Schneider-Schneiter («Ich warte die Wahlen ab und mache danach eine Auslegeordnung») und Ida Glanzmann («Meine Ambition ist, wieder gewählt zu werden»). Auch der Berner Gemeinderat Reto Nause, zwischen 2001 und 2008 Generalsekretär der CVP Schweiz, will vor den Nationalratswahlen, in denen er kandidiert, «keine Stellung» nehmen. Und Nationalrätin Barbara Schmid-Federer (ZH) sagt, sie würde sich freuen über eine Anfrage der Findungskommission: «Ich würde es mir überlegen.»

Diese Findungskommission soll am 14. Februar eingesetzt werden. «Dann, am Valentinstag, startet der Wahlprozess», sagt CVP-Präsident Christophe Darbellay. «Für uns als Familienpartei ist dieser Tag wichtig.» Er habe ihn als «Hommage an alle Verliebten» ausgewählt, meint er schmunzelnd. Natürlich zählt er sich dazu. Darbellay: «Die Wahl selbst findet im April oder im Mai statt.»

Vielleicht hat Gerhard Pfister bis dann einen sehr ernsthaften Gegenspieler: Ständerat Konrad Graber (LU). «Ich mache mir dazu nach den Wahlen Gedanken, sobald sich die Frage stellt», sagt Graber. Vertraute aus dessen Umfeld sagen aber, Graber wolle sich bei einer Wiederwahl für zwei Legislaturen neu organisieren. Der Ständerat sorgt zwar im Moment parteiintern für Ärger, weil er gegen die zweite Gotthard-Röhre weibelt. Doch schon am 28. Februar könnte das seinen Wahlkampf ums CVP-Präsidium so richtig lancieren – wenn er die Abstimmung gewinnt. Graber war, wie Pfister, ebenfalls CVP-Präsident. In Luzern.

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