Der Rücktritt des Basler Regierungsrats und Gesundheitsdirektors Carlo Conti (CVP) war zwei Tage alt, als sich die Berner Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorin Barbara Egger-Jenzer (SP) am Donnerstag aufgeregt in der Berner Staatskanzlei bei Kommunikationschef Christian Kräuchi meldete und nach einer Sprachregelung verlangte für Medienanfragen, die ihre Honorarbezüge beim kantonalen Energieversorger BKW Energie betrafen. Wie sollte Egger der Öffentlichkeit erklären, was eigentlich nicht zu erklären ist – dass sie neben den 275 000 Franken Regierungsratslohn jährlich Sitzungsgelder in der Höhe von 45 000 Franken kassiert?

Der öffentliche Einblick in die fürstlichen Nebeneinkünfte liess sich zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr verhindern: Am Freitag berichteten die «Berner Zeitung» und «Der Bund» über 2000 Franken pro Sitzung, die Barbara Egger und ihre Regierungskollegin Beatrice Simon (BDP) als Verwaltungsrätinnen der BKW privat verbuchen können. Was sich bei Simon auf 25 000 Franken pro Jahr zusammenläppert, stieg bei Egger im Jahr 2012 wegen Sitzungen von Sonderausschüssen unter anderem zum Thema Atomausstieg auf 90 000 Franken, wovon die Hälfte auf ihr Konto geflossen ist. 2011 kam Egger noch auf vergleichsweise bescheidene 39 000 Franken.

Seit der Basler Regierungsrat Carlo Conti am vergangenen Dienstag wegen 110 000 Franken, die unerlaubt auf sein Privatkonto geflossen sind, zurückgetreten ist, zittern Kantonsregierungen vor dem öffentlichen Interesse an ihren Nebeneinkünften. Besonders gross ist aber die Nervosität im Kanton Bern: Erstens sind die Sitzungsgelder deutlich höher als in anderen Kantonen, zweitens stehen im Kanton Bern am 30. März Parlamentswahlen an. Und drittens: Im Kanton Bern fehlt bislang ein sauberer Überblick über die Nebeneinkünfte der meisten Regierungsratsmitglieder, aber auch von Verwaltungsangestellten.

Insider reden von «einigen Bomben», die im Berner Regierungs- und Verwaltungsapparat ticken würden. Die Rede ist von Honoraren über 40 000 Franken bei einem Verwaltungsangestellten und von Gratisparkplätzen für Verwaltungsräte der Berner Parking AG.

Für besonders grosse Aufregung sorgen die hohen Nebeneinkünfte im Kanton Bern schliesslich viertens, weil die Regierung letztes Jahr ein rigoroses Sparprogramm eingeleitet hat – auf Kosten von Bildung, Behindertenbetreuung, Polizei und Strassenunterhalt. Der Regierungsrat hat das Thema Honorare kommenden Mittwoch traktandiert, wenn auch nicht auf der offiziellen Traktandenliste. Regierungsnahe Kreise sprechen von «offenem Streit» im Gremium: Regierungsräte, die keine oder wenige Nebeneinkünfte haben, verlangen Transparenz. Namentlich Regierungsrätin Egger-Jenzer sträubt sich dagegen.

Nicht zum ersten Mal, wie Recherchen der «Schweiz am Sonntag» zeigen: Bereits als im Sommer 2013 aufflog, dass der Solothurner Regierungsrat Christian Wanner (FDP) als Alpiq-Verwaltungsrat 100 000 Franken kassierte, kam es in der Berner Regierung zu einer Aussprache über die hohen Sitzungsgelder von Egger und Simon. Bereits damals verlangten Regierungsräte Transparenz. Den Hinweis eines Kollegen, in 20 Schweizer Kantonsregierungen würden die Regierungsräte weniger verdienen als im Kanton Bern, quittierte Egger mit dem Satz: «Aber in fünf Kantonen ist es mehr.»

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