Ein freisinniges Schwergewicht schmeisst frustriert den Bettel hin: Rolf Schweiger, ehemals Präsident der FDP Schweiz, tritt entgegen seinen bisherigen Ankündigungen nicht mehr zur Ständeratswahl an. Grund ist nicht etwa sein Alter (66).

In dem Communiqué, das er am Freitagabend verschickte, prangert er die «irrational argumentierende Grundstimmung» in der Politik an. Er habe stets versucht, mit Vernunft mehrheitsfähige Lösungen zu entwickeln – damit habe er aber kaum mehr Gehör gefunden. Quer durch alle Parteien dominiere «Kurzfristdenken und unüberlegtes Vorpreschen» sowie mediengesteuerte Politik. Die Lust sei ihm vergangen.

Die FDP-Fraktionschefin Gabi Huber erfuhr erst gestern Samstag von Rolf Schweigers Rücktritt – als «Der Sonntag» sie anrief. Ebenso FDP-Vizepräsident und Wahlkampfleiter Vincenzo Pedrazzini. Beide zeigten sich «völlig überrascht».

Schweiger sagte vor kurzem in der «Neuen Zuger Zeitung»: «Ich habe noch immer Lust am Politisieren», und er wehrte sich Anfang Jahr gegen die Idee des Zuger FDP-Präsidenten Andreas Kleeb, der sich einen jüngeren Ständeratskandidaten wünschte. «Er sagte immer, dass er nochmals antrete», so Kleeb gestern.

Schweiger selber kapselte sich nach dem Communiqué ab und war weder für Parteifreunde noch für die Medien erreichbar. Sein Handy nahm eine Assistentin ab, die laut eigener Aussage den Auftrag hatte, «Anrufer abzuwimmeln». Schweigers Umfeld dementiert Gerüchte, dass der Ständerat wieder ein Burnout habe. Deswegen gab er 2004 das Parteipräsidium ab. «Er ist gesund», sagt sein Ständeratskollege Peter Bieri (CVP/ZG), der ihn persönlich kennt und den Schweiger als einen der wenigen persönlich über seinen Rücktritt vorinformiert hat.

Auch bei Economiesuisse, wo Schweiger im Vorstand ist, reagiert man überrascht. «Ich erfuhr erst am Samstag davon», sagt Verbandspräsident Gerold Bührer. Rolf Schweiger gehört zu den bestvernetzten Freisinnigen: Er sitzt in 21 Verwaltungsräten, Stiftungsräten und Verbandsvorständen. Darunter sind Unternehmen wie Schindler oder Roche Diagnostics. In seiner Partei musste Schweiger, der seit 1970 für die FDP in Parlamenten sitzt, zuletzt Niederlagen einstecken: Vergeblich wehrte er sich gegen einen Banken- und AKW-kritischeren Kurs.

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