Der Krach war gigantisch vor vier Jahren. Doris Leuthard (CVP) schnappte sich das Verkehrs- und Energiedepartement Uvek, das Moritz Leuenberger (SP) hinterlassen hatte. Eveline Widmer-Schlumpf wechselte ins Finanzdepartement EFD, das nach dem Rücktritt von Hans-Rudolf Merz (FDP) frei geworden war. Den neuen Bundesratsmitgliedern Simonetta Sommaruga (SP) und Johann Schneider-Ammann (FDP) blieb das Justiz- beziehungsweise das Wirtschaftsdepartement.

Vor allem die SP war sauer auf Leuthard und Widmer-Schlumpf. Sie hatten Sommaruga ins undankbare EJPD abgedrängt. Die SP war bei den Schlüsseldepartementen Uvek und EFD ausgebootet worden.

Erst möglich war der Coup geworden, weil Leuthard und Widmer-Schlumpf bei der Ressortzuteilung früh wählen konnten, welches Departement sie wollten. So will es das Anciennitätsprinzip. Vor ihnen kam nur Micheline Calmy-Rey (SP), doch die blieb im Aussenministerium.

Ende nächsten Jahres, nach der Gesamterneuerung des Bundesrats, könnte es zu einem ähnlichen Szenario kommen. Und diesmal ist faktisch ausgerechnet Verteidigungsminister Ueli Maurer (SVP) in der Poleposition.

Wenn Doris Leuthard oder Eveline Widmer-Schlumpf zurücktreten oder nicht mehr gewählt werden, kann Maurer zuerst sagen, welches Departement er will. Er ist mittlerweile nach den beiden Frauen der drittälteste Bundesrat, was die Amtszeit betrifft.

Während es derzeit aussieht, als würde Leuthard weitermachen, ist die Ausgangslage bei Widmer-Schlumpf offen. Selbst wenn sie noch einmal antreten will, riskiert sie je nach Ausgang der eidgenössischen Wahlen die Abwahl. Dann, wenn es zu einer rechtsbürgerlichen Mehrheit in der Bundesversammlung kommen sollte.

Ist Widmer-Schlumpf weg, haben Maurer und die SVP theoretisch freie Bahn ins wichtige Finanzdepartement. Das gibt Parteistrategen derzeit zu denken. Widmer-Schlumpf hat in den letzten Jahren als Finanzministerin wichtige Finanzplatz- und Steuerreformen eingeleitet oder durchgesetzt. In aller Regel gegen den erbitterten Widerstand der SVP. Käme Maurer ins EFD, würden die Partei und ihr Regierungsvertreter versuchen, die Reformen rückgängig zu machen oder auf Eis zu legen, sind Vertreter anderer bürgerlicher Parteien überzeugt.

Das Gleiche gilt für den Fall, dass entgegen der Erwartungen der Sitz von Doris Leuthard frei werden sollte. Als Uvek-Chef würde AKW-Befürworter Maurer namentlich die Energiewende noch zu verhindern versuchen, heisst es.

Wirft die SVP, die bekanntlich langfristig plant, ein Auge auf die Schlüsseldepartemente? SVP-Wahlkampfleiter Albert Rösti gibt sich zugeknöpft. «Es gilt jetzt vorerst einmal, die Wahlen abzuwarten. Deshalb will ich mich im Moment nicht über die Bundesratswahlen oder Departementszuteilung äussern», sagt der Berner Nationalrat, dem selber Bundesratsambitionen nachgesagt werden.

Rettet sich Verteidigungsminister Maurer, immer noch geschwächt durch das Volks-Nein zum Kampfjet Gripen, nächstes Jahr ins Finanzdepartement? BDP-Präsident Martin Landolt wehrt ab: «Es gibt keinerlei Gründe, über die Nachfolge von Eveline Widmer-Schlumpf zu spekulieren», sagt der Glarner Nationalrat. «Sie hat mehrfach bewiesen, wie wichtig die politische Mitte ist, dass sie auch im Bundesrat für pragmatische Lösungen sorgt.» Klar ist für ihn aber: «Der Erfolg von strategisch bedeutenden Projekten wie beispielsweise der Energie- und Finanzplatzwende sind stark mit Eveline Widmer-Schlumpf und Doris Leuthard sowie den daraus resultierenden Mehrheitsverhältnissen verbunden.»

Sicher ist: Wenn Leuthard oder Widmer-Schlumpf gehen, kommt es so oder so zum heftigen Seilziehen. Nach Maurer ist Burkhalter (FDP) an der Reihe zu wählen. Er dürfte Aussenminister bleiben, weil ihm das Amt liegt. Als Nächste kann Sommaruga sagen, was sie will. Die SP dürfte sie zweifellos drängen, ein Schlüsseldepartement zu übernehmen, falls eines frei wird. Dasselbe gilt für Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (FDP), der als Vierter wählen kann. Sicher ist, dass die FDP das Finanzdepartement zurückhaben möchte.

das Ganze wird noch unwägbarer, weil völlig offen ist, wer anstelle von Widmer-Schlumpf gewählt würde. Ein zweiter SVP-Vertreter? Dann würde die rechtsbürgerliche Mehrheit im Bundesrat mit grösster Wahrscheinlichkeit auch die wichtigsten Departemente unter sich aufteilen.

Würde hingegen ein Mitte-Vertreter anstelle der Bündnerin gewählt, könnte der Bundesrat den Wechsel von Maurer ins EFD per Mehrheitsentscheid zu verhindern versuchen. Nur hätte das neuen Krach mit der SVP zur Folge. Und der Streit ginge auch darüber los, ob Sommaruga oder Schneider-Ammann wechseln dürften.

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