Es war Ueli Maurer, der die Schachpartie um die Bundesratswahlen 2015 mit dem ersten Zug eröffnete. Er werde «zu 90 Prozent» erneut kandidieren, sagte er, der 2015 mit 65 Jahren Grandseigneur der Regierung sein wird.

Maurer hat ein starkes parteipolitisches Signal ausgesendet: Die SVP will sich 2015 nicht mit dem Sitz Maurers herumschlagen, sondern sich darauf konzentrieren, den zweiten Sitz zu erobern. «Wir wollen die Wiederherstellung der Konkordanz. Und wir lassen uns nicht mehr jahrzehntelang vertrösten», sagt SVP-Präsident Toni Brunner. «2015 werden wir den Anspruch auf den zweiten Sitz erheben und darum kämpfen.»

Es stellt sich allerdings die Frage, wie die SVP das erreichen will. Indem sie der FDP einen der beiden Sitze streitig macht? Oder indem sie den BDP-Sitz von Eveline Widmer-Schlumpf attackiert?

Die SVP wolle das Mitte-Links-Kartell mit vier Bundesräten verunmöglichen, hatte Brunner in der NZZ gesagt: «Deshalb will ich mit der FDP flächendeckend in der ganzen Schweiz Listenverbindungen.» Und: «Der Freisinn muss sich entscheiden, ob er Mitte-Links oder Mitte-Rechts steht.» Eine implizite Drohung: Entweder, die FDP marschiert mit der SVP. Oder die SVP könnte einen FDP-Bundesratssitz angreifen.

Philipp Müllers Antwort ist deutlich. «Es wäre sehr geschickt und ein gutes erstes Zeichen der SVP, wenn sie eine Vorleistung erbringen würde», sagt der FDP-Präsident gegenüber der «Schweiz am Sonntag». Eine Vorleistung im Zusammenhang mit dem ersten Wahlgang des Glarner Ständerats-Wahlkampfs vom 12. Januar. Dann tritt FDP-Kandidat Thomas Hefti gegen BDP-Präsident Martin Landolt an. «Die SVP sollte offiziell verkünden: Wir unterstützen Hefti gegen Landolt», betont Müller. «Das gäbe FDP-intern Auftrieb für Listenverbindungen mit der SVP und würde bei den FDP-Kantonalpräsidenten für viel Goodwill sorgen. Diese konsultieren wir nämlich als Erste, um solche Listenverbindungen zu analysieren.» Sie sind schon am Freitag ein Thema, an der Konferenz der kantonalen FDP-Präsidenten.

Müller öffnet damit die Tür: für Listenverbindungen mit der SVP – und für ein gemeinsames Vorgehen bei den Bundesratswahlen. Er nimmt eine Kehrtwende zu den Wahlen 2011 vor. Damals verweigerte sich Vorgänger Fulvio Pelli einer solchen Zusammenarbeit, weil sie «ausschliesslich der SVP gedient hätte», wie Pelli noch im Dezember sagte.

Ziel ist auch für Müller eine Mitte-Rechts-Mehrheit im Parlament und im Bundesrat. Dafür aber müssen SVP und FDP bei den Wahlen 2015 um mindestens sechs Parlamentssitze zulegen. Zurzeit vereinigt Mitte-Links im Parlament 128 Stimmen (CVP/EVP 44, SP 57, Grüne 17, BDP 10), Mitte-Rechts aber nur 118 Stimmen (SVP 62, FDP 41, GLP 14 und der fraktionslose Mauro Poccia, MCG). Bei Abstimmungen im Parlament seien «fünf Stimmen in vielen Fällen entscheidend für pro oder kontra», sagt Müller.

Klar ist aber auch: Mitte-Links wird eine Wende hin zu SVP/FDP bekämpfen. «Wir werden alles tun, um zu verhindern, dass diese zwei Parteien die Regierungsmehrheit erhalten», sagte SP-Präsident Christian Levrat schon im Sommer.

Inzwischen hat sich SVP-Präsident Brunner von der impliziten Drohung gegen die FDP abgewandt. «Unser Interesse fokussiert sich dabei klar auf den Sitz von Frau Widmer-Schlumpf», sagt er heute. «Sie gehört einer Partei an, die in der Regierung nichts verloren hat.» Die Zeit Widmer-Schlumpfs sei «definitiv abgelaufen», glaubt Brunner. «Sie selbst spürt auch, dass sie den Rückhalt verliert. In der Bevölkerung hat die Begeisterung merklich nachgelassen.»

Nur: Im Lager Widmer-Schlumpfs sieht man das anders. Sie tendiere klar zu einer weiteren Legislatur, sagt jemand, der ihr nahe steht. Ob sie sich der Wiederwahl stelle, hänge aber von den Aussichten ab, bestätigt zu werden: «Ist sie sicher, gewählt zu werden, tritt sie 2015 an.» Zurückhaltender formuliert es Martin Landolt. «Sie hat sich noch nicht entschieden, hat sich wohl noch keine grossen Gedanken gemacht», sagt der BDP-Präsident. «Meine Einschätzung ist aber: Es ist absolut nicht auszuschliessen, dass sie 2015 nochmals antritt.»

Das jedenfalls planen die übrigen fünf Bundesräte. Auch Johann Schneider-Ammann (FDP), der 2016 Bundespräsident werden will. Und Doris Leuthard (CVP), der vor einem Jahr Rücktritts-Absichten nachgesagt wurden, blickt inzwischen gemäss Insidern auf 2017: Dann würde sie zum zweiten Mal Bundespräsidentin. «Es wäre keine Überraschung und wünschenswert, wenn Doris Leuthard noch ein paar Jahre Bundesrätin bleibt», sagt CVP-Präsident Christophe Darbellay. «Sie ist in Form, sehr gut aufgestellt und hat eine starke Position in der Regierung.»

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper