Von Anna Kappeler und Fabienne Riklin

Herr Ledergerber, Zürich steht diese Woche mit dem Aufbau des Hafenkrans und der Departements-Verteilung des Stadtrates im Fokus der Schweiz. Erfreut?
Elmar Ledergerber: Mir gefällt es, dass sich in der Stadt Zürich wieder etwas bewegt. Gerade den Hafenkran finde ich toll. Durch ihn werden viele Leute Zürich in einem anderen Licht wahrnehmen. Wir sind zwar Süsswasserratten und Landeier. Aber den Anschluss an die Weltmeere und die damit verbundene globale Weite ist uns wichtig. Der Kran steht symbolisch dafür.

Wie viele Touristen kommen zusätzlich nach Zürich, weil Sie den Kran sehen wollen?
Das weiss ich nicht. Dass Besucher kurzfristig noch Ferien buchen, um zu sehen, wie der Kran aufgebaut wird, ist eher unwahrscheinlich. Aber der Kran wird die Wahrnehmung der Touristen verändern. Endlich macht nicht ein Bankenskandal oder ein sonstiger Blödsinn die Runde, sondern etwas Spezielles und Witziges.

Dann zahlen sich die 600000 Franken für den Kran aus?
Aber natürlich. Die Installation dominiert das Limmatquai positiv. Wie damals, als plötzlich bunte Kühe einen Sommer lang das Strassenbild aufmischten und somit Stadt und Land verband. Jetzt einen wir ein Binnenland mit einer Seenation und einen Süsswassersee mit dem Meer. Wenn die Aktion Menschen zum Denken anregt und weltweite Reaktionen auslöst, ist es eine gute Aktion für alle.

Das zweite grosse Thema ist die Departements-Verteilung. Wie zufrieden sind Sie damit?
Ich kann gut damit leben. Ich verstehe die Leute nicht, die jetzt Tränen vergiessen, nur weil ein Bürgerlicher das Tiefbaudepartement übernimmt. Das ist doch übertrieben. Welches Departement hätte Filippo Leutenegger denn erhalten sollen? Früher verbannte man die unliebsamen Vorsteher ins Schuldepartement. Doch überall kann jemand Schaden anrichten und den Volkswillen der Stimmbürger missachten. Ich habe bei Leutenegger diese Angst nicht.

Unter Ihrer Ägide ist Zürichs Lebensqualität in den Vorder- und der Verkehr in den Hintergrund gerückt. Ihr Erbe sehen Sie also nicht bedroht?
Eigentlich nicht, nein. Einseitig auf die Autos loszugehen und insgeheim zu hoffen, dass Zürich dadurch zu mehr Velos kommt, macht keinen Sinn. Der Verkehr muss mit Augenmass und nicht mit Fanatismus geregelt werden.

Wurde die Verteuflung des Autos früher übertrieben?
Die Relationen haben sich schon ziemlich verschoben. Manchmal hat man wirklich den Eindruck, die Verkehrsampeln seien so gesteuert, dass in der Grün-Phase höchstens noch drei Autos über die Kreuzung kommen. Und dann ist es schon wieder rot. Kommt dazu, dass im Sommer die ganze Stadt mit Baustellen zugepflastert ist. Das kann nicht das Ziel sein. Wir brauchen zwar durchgehende Velowege und intakte Strassen. Doch auch das Auto gehört in die Stadt.

Wie erleben Sie persönlich Zürich per Auto?
Wann immer möglich nehme ich den ÖV. Oder, wenn mein Knie mitmacht und es nicht regnet, setze ich mich aufs Velo. Aber ich benütze auch mein Auto. Und dabei kann ich mich manchmal des Eindrucks nicht erwehren, die Geduld der Autofahrenden werde schon ziemlich auf die Probe gestellt. Damit die Blechlawine in Zürich nicht noch grösser wird, ist das zwar gut so, doch ich appelliere ans Augenmass. Ohne Augenzwinkern hin und wieder und ohne Toleranz geht es nicht.

Was ist wichtig im Rückblick auf diese Woche?
Wie müssen weltoffen unterwegs sein. Mir ist es wichtig, von der eigenen Selbstüberschätzung wegzukommen: das helvetische Eis muss tauen! Ich wünsche mir eine offene, dynamische Stadt Zürich, die Fremdes sehen will, ohne die eigenen Werte zu vernachlässigen..

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