VON FLORENCE VUICHARD

Herr David, Sie haben 15 Jahre die Helsana präsidiert. Nun treten Sie im März 2010 zurück. Wieso?
Eugen David: Ich werde nächstes Jahr 65. Das ist ein Alter, in dem man sein Leben auch ein bisschen neu organisieren will. Zudem ist es gut, wenn neue Persönlichkeiten in ein Unternehmen kommen: Sie bringen neue Ideen ein.


Wer wird denn Ihr Nachfolger?
Thomas Szucs, der Professor für Pharmazeutische Medizin an der Universität Basel. Er ist Mediziner und Ökonom und hat zudem auch Führungserfahrungen bei der Hirslanden-Gruppe gesammelt.


Damit schliesst die Helsana also das Experiment ab, das Präsidium mit einem Politiker zu besetzen?
Das war ein langes Experiment! Aber im Ernst: Wir haben in allen Bereichen nach einem Nachfolger gesucht – in Unternehmen, in Universitäten und auch in der Politik. Letztlich war die Persönlichkeit des Kandidaten entscheidend. Wir hatten ja Zeit bei der Wahl, der Generationenwechsel wurde von langer Hand geplant.


Sie sprechen vom Generationenwechsel. Gibt es denn noch mehr Rücktritte?
Auch Konzernchef Manfred Manser tritt zurück. Er wird nächstes Jahr 60 Jahre alt. Mit 60 müssen die obersten Führungskräfte bei der Helsana in Pension. Sein Nachfolger wird noch 2009 ernannt.


Beide Kapitäne verlassen das Schiff. Ist das nicht gefährlich?
Nein. Wir haben das sorgfältig vorbereitet. Aber natürlich herrscht jetzt bei den Mitarbeitern eine gewisse Unsicherheit.


Reut es Sie nicht, ausgerechnet jetzt, da Bewegung in die Gesundheitspolitik kommt, den Posten aufzugeben?
Ich weiss, wie die Politik funktioniert. Alles braucht sehr viel Zeit. Doch wir müssten jetzt dringend etwas tun. Rund 20 Prozent der Versicherten verursachen 80 Prozent der Kosten. Hier müssen wir Lösungen finden. Hier brauchen wir bessere Versorgungslösungen, hier müssen wir die Leute steuern können, sich in effizienten Netzwerken behandeln zu lassen. Doch was tun wir? Wir kümmern uns nicht um Grundsätzliches, sondern um Nebenschauplätze.


Die nationalrätliche Gesundheitskommission will nun den Vertragszwang zwischen Kassen und Ärzten lockern, ab 2012. Das wäre ein grosser Schritt.
Ich begrüsse Lösungen, die wettbewerbsorientiert sind. Ob dieser Vorschlag machbar ist, werden wir nächste Woche in der Gesundheitskommission des Ständerats besprechen.


Sie reden von Wettbewerb. Funktioniert er denn zwischen den Kassen?
Aber sicher! Es kann sich keine Krankenkasse erlauben, zu hohe Prämien zu verlangen. Sonst wandern die Versicherten zur Konkurrenz. Es gibt nirgends so viel Transparenz wie bei der Grundversicherung: Sie müssen nur Ihre Postleitzahl bei einem Online-Vergleichsdienst eingeben – und schon erhalten Sie das günstigste Produkt.