Sollte ich den Eindruck erweckt haben, dass ich Korruptions-Vorwürfe in den Raum gestellt habe, täte mir das leid.» Das sagt SVP-Nationalrat Christoph Blocher. FDP-Präsident Philippe Müller seinerseits hält fest: «Es ist Unsinn, wenn man den Eindruck erwecken will, ich hasse Ueli Maurer. Ich habe ein ganz normales, entspanntes Verhältnis mit ihm.» Und: «Es ist nicht wahr, dass ich den Gripen abschiessen will. Der Gripen ist dann eine Option, wenn alle strittigen Punkte geklärt und die offenen Fragen beantwortet sind.»

Die gegenseitig vereinbarte Sprachregelung erinnert an Stellungnahmen, wie sie sonst nur von Diplomaten im Aussendepartement formuliert werden. Damit legen die politischen Alphatiere ihren dreimonatigen persönlichen Streit bei. Beide mussten dafür über ihren Schatten springen: Blocher, der sich höchst ungern entschuldigt. Und Müller, der sehr sensibel auf Angriffe reagieren kann.

Entzündet hatte sich der Streit nach einem Interview Müllers in der NZZ. «Nach heutigem Wissensstand erfüllt der Gripen die Anforderungen nicht, um vor dem Volk bestehen zu können», sagte Müller darin. Er habe «erhebliche Zweifel», dass es Verteidigungsminister Ueli Maurer gelinge, all die geschuldeten Forderungen zu erfüllen.

Müller sagte damals aber auch, dass der Gripen eine Option bleibe, wenn die Unsicherheiten im finanziellen und technischen Bereich klargestellt und vertraglich abgesichert seien. Die NZZ titelte auf ihrer Front-Seite: «Die FDP rückt vom Gripen ab».

Das machte Blocher sauer. Er habe dies als Angriff auf den SVP-Bundesrat Maurer empfunden, sagt er gegenüber dem «Sonntag»: «Ich fand: Das geht nicht.» Er habe sich zu fragen begonnen, wer eigentlich die Fäden ziehe für die Gripen-Konkurrenz in der Schweiz – und sei auf das Büro Farner PR gestossen. Einer der Partner sei Daniel Heller von der FDP des Kantons Aargau. Deshalb glaubte er an eine «freisinnige Aargauer-Übung». Müller sei das aber in den falschen Hals geraten. Er habe das als Korruptions-Vorwurf aufgefasst.

Drei Monate dauerte der Kampfjet-Krach zwischen Blocher und Müller – und er begann das Verhältnis zwischen SVP und FDP nachhaltig zu trüben. Es war SVP-Nationalrat Thomas Hurter, der die beiden Alphatiere an einen Tisch brachte, wie Recherchen zeigen. Hurter bestätigt dies.

«Ich habe aus eigenem Antrieb mehrmals mit beiden Politikern gesprochen», sagt er. «Ich spürte, dass SVP und FDP auseinanderdriften, die Situation lag mir auf dem Magen.» Die Schweiz stehe in verschiedenen Themen unter Druck, «deshalb ist ein bürgerlicher Schulterschluss wichtig», betont Hurter. «Ich wollte nichts unversucht lassen.»

Am Dienstag war es dann so weit, nach langem Hin und Her. Blocher und Müller trafen sich streng geheim im Bundeshaus – im SVP-Besprechungszimmer im dritten Stock. Eineinhalb Stunden dauerte das Gespräch zwischen den Politikern, und beide bezeichnen es als gut. Es sei nicht nur um den Gripen gegangen, sondern auch um Politik generell.

Dabei hätten sie übereinstimmend eines festgestellt, halten beide fest: «Es gibt gar keine Differenz beim Gripen, keinen Widerspruch», sagt Blocher. «Darüber bin ich froh.» Und Müller hält fest: «Wir haben an sich dieselbe Zielsetzung. Wir wollen beide, dass die offenen Fragen zum Gripen schon jetzt und nicht erst bei der Volksabstimmung gestellt und beantwortet werden. «Damit ist die Sache erledigt», betont Blocher.

Müller seinerseits will zwar den Begriff Versöhnung nicht verwenden. «Das würde ja bedeuten, dass wir uns umarmen», sagt er. «Wir haben den Streit beigelegt.» Ein Streit unter zwei Alphatieren, die sich eigentlich in ihrer Bodenständigkeit ähneln, den niemand richtig verstanden hatte.

Für die politische Landschaft ist der Schulterschluss von Blocher und Müller bedeutend. Das betont man in beiden Parteien. An einer Eskalation sei niemand interessiert gewesen, heisst es. Denn wichtige Entscheide in der Gesundheitspolitik und in der Sozialpolitik stehen an – wie die Reformen von AHV und zweiter Säule. Der Friedenspakt öffnet die Türen wieder für eine verstärkte bürgerliche Zusammenarbeit zwischen SVP und FDP.

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