Oleg Savitsky, ukrainischer Aktivist für Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit, sagt: «Janukowitsch entfesselte einen Krieg gegen das ukrainische Volk, mit mehr als 100 Todesopfern. Und ein Teil der Verantwortung dafür tragen die Schweiz und die EU. Wo dieses kriminelle Regime seit Jahren sein Geld hortet.»

Tatsächlich zeigt sich, dass der korrupte Janukowitsch-Clan und mit ihm verbundene Oligarchen Milliardenwerte in der und via Schweiz kontrollieren.

Da ist Alexander Janukowitsch, ältester Sohn des Präsidenten. Er häufte nach der Machtübernahme seines Vaters rasch ein Vermögen von mehreren 100 Millionen Franken an. Mit einer Bank, mit Rohstoffen. In Genf gründete er 2011 die Mako Trading SA, die mit Kohle handelt und ein Aktienkapital von 9,2 Millionen aufweist. Laut Transparency International setzt er dort monatlich Millionen von Dollar um. Gemäss Aktivisten stammt die Kohle teilweise wohl aus illegalen Minen. «Dreckiger Brennstoff, dreckige Geschäfte», heisst es.

Oder Rinat Achmetov, ehemaliger Profi-Boxer, mit einem geschätzten Vermögen von 16 Milliarden der reichste Oligarch der Ukraine. Achmetov, auch «Pate von Donezk» genannt, half Janukowitsch an die Macht. Seine Rohstoffhandelsfirma Metvest International ist seit 1997 in Genf eingetragen. Kapital: 50 Millionen. Auffallend: Die Genfer Treuhänder der Metinvest sind auch bei Mako dabei. Im Juni 2013 liess Achmetov in Genf die DTEK Trading SA gründen, Rohstoffhandel. Kapital: 49,1 Millionen.

Janukowitsch soll eine neue Generation von Oligarchen aufgebaut haben. Einige sind Kumpel von Sohn Alexander. Etwa Sergej Kurchenko (28), der angeblich als Teenager mit 15 seine erste Firma gründete. Er ist heute Milliardär und «Gaskönig» der Ukraine: Er kontrolliert die Rohstofffirma Vetek. Am 23. September 2013 wurde in Genf die Vetek Gas Trading and Supply SA gegründet, einen Tag später die Vetek Trading SA.

Oder Oligarch Dmitry Firtasch. Er gilt als besonders skrupellos und liess Ende 2012 in Zug die Ostchem Gas Trading AG eintragen. Seit 2004 sitzt in Zug auch die Gashandelsfirma RosUkrEnergo, die Firtasch mit dominiert. Laut einem Wikileaks-Dokument, das eine ukrainische Zeitung veröffentlichte, gestand Firtasch einem US-Botschafter, dass er Verbindungen zum organisierten Verbrechen hatte, so zum Mafia-Paten Semjon Mogiljewitsch.

Ebenfalls gab Firtasch an, er sei «inoffizieller Berater» von Janukowitsch. Firtasch gilt als Erzfeind von Julia Timoschenko. Eine Oligarchin, die nach Janukowitschs Sturz nun wieder auf der Bildfläche auftaucht. Erst am 11. Februar 2014 wurde in Genf die Nordwind Trade SA gegründet. Sie gehört laut ukrainischen Quellen dem Oligarchen Mikhail Kiperman aus Kiew, der auch im Verwaltungsrat der Firma sitzt. Jetzt fragt Aktivist Savitsky: «Wird die Ukraine das Geld, das Janukowitsch und sein Umfeld gestohlen hat, je wiedersehen?»

Auf die Frage, ob die Schweiz Vermögen des Janukowitsch-Clans blockiere, heisst es beim zuständigen Staatssekretariat für Wirtschaft: Man prüfe die Übernahme der geplanten EU-Sanktionen und verfolge die Entwicklung in der Ukraine. Entscheiden muss der Bundesrat.

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