Gleich 5 von insgesamt 14 Ministern der deutschen Bundesregierung pilgern ans WEF. Als Krönung fliegt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel selbst nach Davos. Das heisst etwas. Denn sie ist bekannt dafür, sich ihre Termine sehr gezielt auszusuchen.

Neben Merkel reisen Guido Westerwelle (Aussenminister), Wolfgang Schäuble (Finanzminister), Philipp Rösler (Wirtschaftsminister), Ursula von der Leyen (Arbeits- und Sozialministerin) und Daniel Bahr (Gesundheitsminister) an. Doch auch die Bundesländer sind mit Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) prominent vertreten. Das zeigen Recherchen. Bereits sind zahlreiche bilaterale Treffen zwischen Schweizer Bundesräten und ihren deutschen Kollegen angesetzt. So trifft sich Aussenminister Didier Burkhalter mit Westerwelle, Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann mit den Kollegen Rösler und von der Leyen, Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf mit Kollege Schäuble und Innenminister Alan Berset mit den Kollegen Bahr und von der Leyen.

Da will Bundespräsident Ueli Maurer nicht zurückstehen. Er ist daran interessiert, Kanzlerin Merkel zu treffen, wie Insider bestätigen. Fix terminiert ist allerdings noch nichts. Auch Bayerns Ministerpräsident Seehofer sieht eine Bundesrätin: Energieministerin Doris Leuthard. Und unter Umständen auch Schneider-Ammann.

Doch nicht nur Davos ist Zielort deutscher Reisediplomatie. Im Februar wird der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck zu einem multilateralen Besuch in Genf erwartet. Und auch der Präsident des deutschen Bundesrats, Winfried Kretschmann (Grüne, Ministerpräsident von Baden-Württemberg), stattet der Schweiz einen Besuch ab. Im Bundesrat, der die Abgeltungssteuer ablehnte, sind die Bundesländer vertreten.

Kretschmann soll sich mit dem Schweizer Ständeratspräsidenten Filippo Lombardi treffen. «Der Besuch ist vereinbart, die beiden Amtsträger sind sich einig», sagt Peter Gottwald, deutscher Botschafter in Bern. «Es fehlt nur noch der Termin. Beides sind viel beschäftigte Menschen.» Wie Recherchen zeigen, war ein erster, bereits fixierter Termin geplatzt, weil ihn Lombardi aufgrund anderweitiger Verpflichtungen nicht hatte wahrnehmen können.

Sowohl die Schweiz wie Deutschland versuchen mit der regen Reisediplomatie, der Beziehung der beiden Länder, die auf dem Nullpunkt liegt, wieder Sauerstoff zu verleihen. Dass das ausgerechnet im deutschen Wahljahr geschieht, ist ein nicht zu unterschätzendes Zeichen. «Wir haben eine unglückliche, aber zufällige Kumulierung schwieriger Themen», sagt Gottwald. «Gleichzeitig gibt es einen konstanten, sehr fruchtbaren Kontakt. Wir tauschen uns auf den vielfältigsten Ebenen aus.»

Besonders aktiv ist der Austausch im Energiebereich. «Beide Länder wagten mutige Schritte», sagt Gottwald. «Da liegt es auf der Hand, dass man versucht, zusammenzuarbeiten und gemeinsame Rezepte zu entwickeln. Zum Beispiel beim Übertragungssystem.» Es gebe «vielfältige Gespräche» auf Bundesebene, zwischen Bundesländern und Kantonen und zwischen Energiekonzernen. Gleichzeitig unterstützt Deutschland die Schweiz in Brüssel in Sachen Bilaterale. Gottwald: «Deutschland hat ein grosses eigenes Interesse, dass die EU und die Schweiz eine Lösung finden.»

Es reisen aber auch Schweizer nach Berlin. Wie etwa Mitglieder der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK). Sie wollen sich aus erster Hand über die Unterschiede einer Miliz- zu einer Berufsarmee informieren.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!