Nach den Deutschen gehen auch die Franzosen in die Offensive in Sachen Kampfjets. EADS hatte im Juni eine neue Offerte unterbreitet: 33 Occasions-Eurofighter für 3,2 Milliarden. Ein verlockendes Angebot macht nun auch Dassault. In einem Brief an den Gesamtbundesrat, den Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf zu Beginn der vergangenen Woche erhielt, schreibt der französische Hersteller: 22 neue Rafale seien für 3,1 Milliarden zu haben. Das zeigen Recherchen des «Sonntags». Bundesratssprecher André Simonazzi bestätigt zwar den Eingang des Briefes. Zum Inhalt äussert er sich aber nicht. Der Brief sei noch kein Thema gewesen in der Regierung. «Wir werden ihn natürlich beantworten.»

Auch das Parlament erhielt offziell Kenntnis von der Dassault-Offerte. Das Unternehmen sandte Kopien des Briefes an Hans Hess (FDP/OW) und Chantal Galladé (SP/ZH), die beiden Präsidenten der Sicherheitspolitischen Kommissionen (SiK) von Stände- und Nationalrat. Auch Thomas Hurter (SVP, SH) gehört als Präsident der Subkommission, welche die Gripen-Beschaffung unter die Lupe nahm, zum Kreis. Hess war nicht erreichbar. Und Galladé und Hurter wollten keine Stellung nehmen.

Der Brief von Dassault nimmt Bezug auf den Bericht der Subkommission. Dieser hatte festgehalten, dass die Budgetvarianten nie ernsthaft geprüft und verfolgt worden seien. «Die Beschaffung von weniger als 22 Kampfflugzeugen wurde nicht wirklich in Betracht gezogen», heisst es im Bericht. Dassault zeigt auf, wie viel die Schweiz für 12 bis 18 Rafale zahlen müsste. Zwölf Rafale als billigste Einstiegsvariante kämen auf 2,2 Milliarden zu stehen. Schon Anfang Jahr hatte Dassault 18 Rafale für 2,7 Milliarden angeboten. Das Angebot für 22 Rafale zu 3,1 Milliarden ist Teil des Textes im Brief an Widmer-Schlumpf.

Auch Saab selbst setzt sich schriftlich zur Wehr. Gegen die Vorwürfe im Bericht der Subkommission, Saab müsse «grosse Anstrengungen» leisten, «um seine Offset-Verpflichtungen erfüllen zu können». Der schwedische Konzern konterte die Fragen von FDP-Präsident Philipp Müller schriftlich. Vor allem die Romandie drohe leer auszugehen, schrieb die FDP in einem Communiqué. «Das ist falsch und entbehrt jeder Grundlage», schreibt Saab im Brief an Müller, der dem «Sonntag» vorliegt. «Wir haben bereits Gegengeschäfte im Wert von 200 Millionen Franken getätigt. Davon profitiert haben eine Reihe von Unternehmen in der Romandie, einschliesslich SN Technologien, Lemo und Jean Gallay.»

Natürlich hätten auch Unternehmen in der deutschsprachigen Schweiz profitiert, «darunter W Siegrist & Cie AG und Fisba Optik AG». Im Brief heisst es weiter: «Zusätzlich hat Saab im letzten Frühling eine Vereinbarung mit dem Schweizer Offset-Büro unterzeichnet, in dem wir uns verpflichten, Gegengeschäfte für 300 Millionen zu tätigen, bevor ein Vertrag unterzeichnet wird.» Eines stehe fest: «Saab hat seine Offset-Verpflichtungen schon immer vor Ablauf der gesetzlichen Fristen eingelöst. Und Saab verpflichtet sich, zusätzlich Geschäftsopportunitäten zu ermöglichen, welche von langfristigem Nutzen sind.»

Das Kampfjet-Geschäft geht in die entscheidende Phase. Anfang Oktober will Galladé in der SiK offene Fragen thematisieren. Auch sie hat einen Brief geschrieben. An Verteidigungsminister Ueli Maurer. Sie bestätigt. «Ich verlange darin, dass Herr Maurer die Staatsgarantie Schwedens gegenüber der SiK offenlegt.»

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