Es waren gegen dreissig Personen, die sich auf dem Landsitz Lohn einfanden. Zum Apéro lud an jenem 18. Mai das Verteidigungsministerium (VBS). Es sollte ein internes Dankeschön für die Gripen-Kampagne werden.

Im Lohn fehlten allerdings sämtliche SVP-Mitarbeiter des Departements. Sie waren nicht geladen, was sie als Affront empfanden. Obwohl sie, im Nachhinein betrachtet, nicht unglücklich waren über die Ausgrenzung. Das VBS erlitt eine historische Niederlage: 53,4 Prozent der Stimmenden legten ein Nein zum Gripen in die Urne.

Der Apéro im Gästehaus des Bundesrats steht als Sinnbild für die Stimmung im VBS. Zwei Gruppen machen sich gegenseitig das Leben schwer. Hier die SVP-Mitarbeiter des Departements, die nie in die Gripen-Kampagne involviert waren. Dort Maurers enges, parteipolitisch offenes, eher international ausgerichtetes Umfeld. Man müsse sich fragen, ob Maurer das richtige Umfeld habe, heisst es im SVP-Umfeld.

Namentlich genannt werden in der SVP Botschafter Christian Catrina, der Chef der Sicherheitspolitik, der im VBS als «Mister Gripen» die Fäden im Hintergrund zog und die Verhandlungen mit Schweden führte. Und Kommunikationschef Peter Minder. Catrina sei ein eher linker Internationalist, kritisiert man in der SVP. Und Minder sei zwar ein guter Kommunikator mit hoher Sport-Kompetenz, doch das politische Know-how fehle ihm. Catrina selbst tritt aber entschieden gegen diese Kritik an. «Es gibt im Departement keine Grabenkämpfe zwischen SVPlern und Nicht-SVPlern», betont er. «Und die Kritik an mir beruht mehr auf Vorurteilen als auf gründlicher Kenntnis meiner Person.»

Zurzeit scheint das VBS ein wenig ausser Rand und Band. Das Volk will den Gripen nicht, in Genf führen hohe Berufsoffiziere ein privates Schiessen mit nordkoreanischen Offizieren durch, Rüstungschef Ulrich Appenzeller geht oder muss gehen – und das VBS tritt bis 2016 800 Millionen an andere Departemente ab. Weil es nicht möglich sei, «die geplanten Mittel kurzfristig vollumfänglich anderweitig einzusetzen», wie es schreibt. Schon zwischen 2010 und 2014 waren 750 Millionen als Kreditreste zurück in die Bundeskasse geflossen, weil Rüstungsprojekte zurückgestellt wurden.

«Die Kreditreste sind unschön», sagt CVP-Sicherheitspolitiker Jakob Büchler. «Da müssen wir eine Lösung finden, ohne Gesetze zu verletzen.» Noch weiter geht CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann. «Ich möchte im Rahmen der Geschäftsprüfungskommission GPK genauer hinschauen», sagt die Sicherheitspolitikerin.

Insider zeichnen ein wenig schmeichelhaftes Bild des aktuellen VBS. Mit Ueli Maurer stehe ein Einzelkämpfer an der Spitze des Departements. Es sei sehr schwierig, den Verteidigungsminister «zu lesen und zu verstehen», da er immer wieder unklare Signale gebe. So wollte Maurer 2010 die Kampfjet-Beschaffung verschieben, um sie dann plötzlich doch als dringlich zu erklären.

Kritisiert werden hinter vorgehaltener Hand aber auch Rüstungschef Ulrich Appenzeller, Armeechef André Blattmann, Luftwaffenchef Aldo C. Schellenberg und Generalsekretärin Brigitte Rindlisbacher. Appenzeller sei zwar sympathisch, habe sich aber deutlich zu wenig engagiert und Aufträge nicht erfüllt, sagen Insider. Zudem spreche er, ausgerechnet als Rüstungschef, kein Englisch. Blattmann habe nicht rechtzeitig alternative Rüstungsgüter bestellt. Rindlisbacher sei «unsichtbar». Schellenberg sei im Gripen-Abstimmungskampf «nicht zu sehen» gewesen, kritisiert SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli.

«Die Situation ist angespannt», urteilt ein Insider. «Jeder macht, was er will. Und wer sich gut mit jemandem versteht, arbeitet mit ihm zusammen.»

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper