VON OTHMAR VON MATT UND CHRISTOF MOSER

Herr Blocher, wir zitieren aus dem «Tages-Anzeiger»: «Im Prinzip bleibt («BaZ»-Chefredaktor Markus) Somm, nachdem Tettamanti und Blocher ihn verlassen haben, nur eine Chance: Priesterrobe und Brille abzulegen».
Christoph Blocher: (lacht) Ist er eigentlich Katholik? Richtig, er trägt eine Brille. Ist das auch suspekt?

Gemeint ist, Somm müsse seinen Eifer für die SVP aufgeben. Ist mit dem Ausstieg von Tettamanti bei der «Basler Zeitung» und dem Ende Ihres Beratermandats der Traum eines konservativen Medienimperiums geplatzt?
Das müssen Sie mit Herrn Tettamanti besprechen, denn ich habe in Basel weder ein konservatives noch ein anderes Medium geplant.

Immerhin haben Sie ein «BaZ»-Abo.
Ist auch das schon suspekt? Mein Beratermandat umfasste die BZM-Gruppe mit ihren 1100 Mitarbeitern – nicht die «BaZ». Es ging um die Sicherung der Überlebensfähigkeit. Nach allem, was ich heute weiss, ist das möglich. Neu wird dies Herr Moritz Suter als neuer Unternehmer tun.

Er ist ein Freund von Ihnen.
Ich kenne Herrn Suter seit Jahren als tüchtigen Unternehmer. Erstmals in diesem Jahr sahen wir uns im Zusammenhang mit seiner Übernahme der BZM.

Ist Suter eine gute Lösung für die «Basler Zeitung»?
Auf jeden Fall ist er Basler, das scheint ja für viele Basler das wichtigste Kriterium. Wichtiger ist allerdings, dass er Erfahrung hat als Unternehmer. Und die Zeit aufbringen kann, das Unternehmen zu führen. Das ist vielversprechend. Dank seinen Erfahrungen ist er nicht auf meine Beratertätigkeit angewiesen. Und die Linken in Basel haben die Genugtuung, dass Christoph Blocher nicht mehr in Basel ist. Was da in Basel in den letzten zwei Wochen abgelaufen ist, grenzt an Hexenverbrennung.

Wurden Sie überrascht von der Heftigkeit?
Die Reaktionen waren «ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will, und dann das Gute schafft». Das heisst, es lief eigentlich ganz gut. Was da alles ans Tageslicht kam! Zum Beispiel, zu welchen Mitteln der NZZ-Verlag greift, um Konkurrenten zu schädigen. Selbst die «BaZ»-Journalisten haben die Schlagzeile der «NZZ am Sonntag» verbreitet, obwohl sie wussten, was hier alles nicht stimmte.

War die Geschichte in der «NZZ am Sonntag» ein Manöver, um den Wert der «Basler Zeitung» zu mindern?
Mit Sicherheit. Klar ist, dass die «NZZ» an der «BaZ» interessiert war und wohl Rache übte. Am meisten freut mich, dass die Intoleranz der Linken einmal mehr ans Tageslicht kam. Die Bürger sehen, dass Herr Tettamanti in Basel nicht einmal eine Rede halten konnte. Und wo ist der Protest?

Haben sich die Medien im Vergleich zu den 1990er-Jahren der SVP genähert?
Davon merke ich nichts. Gab es eine Zeitung, die sich für die Ausschaffungsinitiative ausgesprochen hat?

Die «Weltwoche».
Auch die nicht. Aber wenigstens nahm sie auch die Argumente dafür auf. Die «Weltwoche» ist ein Pfahl im Fleisch des Mainstreams. Und das ist ein Glück! Und weil sie so viele Leute lesen – sogar Journalisten –, hat sie eine Bedeutung.

Wie wichtig ist die «Weltwoche» für die SVP?
Sie ist wichtig für die Meinungsfreiheit. Wir reden da über ein sehr ernsthaftes Problem. Jetzt wurde doch diese Woche bekannt, dass Reto Brennwald die «Arena» nicht mehr moderiert. Warum? Es heisst: weil er zu wenig links war. Davon habe ich allerdings nichts bemerkt.

Moment! Die Begründung ist, dass er mit dem weniger konfrontativen Kurs nicht einverstanden war.
Eben! Eine Diskussionssendung ohne Kontroversen! Da die SVP in den wichtigsten Themen des Landes wie zum Beispiel dem EU-Beitritt oder der Ausländerpolitik im Gegensatz steht, soll sie ausgeblendet oder ausgeladen werden.

Die SP könnte auch betroffen sein.
Alle die linken Fernsehjournalisten sollen die eigene Partei ausklammern? Den Ausschlag gab offenbar die Sendung über die Ausschaffungsinitiative, in der Bundesrätin Simonetta Sommaruga von Adrian Amstutz kritisiert wurde. Doch die Reaktion zeigt, dass das bald alles zusammenfallen wird.

Was wird zusammenfallen?
Ausgrenzungen von Meinungen, statt sie zu widerlegen, sind stets hilflose Aktionen von Diktatoren. Wer frei ist und stark, kann andere Argumente zulassen. Seit Roger de Weck bei der SRG angesagt ist, spürt man den Trend zur Ausgrenzung bereits. Das wird zum Verlust von Zuschauern führen. Die SRG-Medien können diesen Kurs überhaupt nur durchstehen, weil es keine nationale Konkurrenz gibt. Das ist allerdings gewollt. Schlimm ist, dass der Staat jetzt auch den Privaten dreinreden kann.

Weil die Regionalsender Gebühren erhalten?
Ja, selbst sie sind jetzt in den Händen des Staates. Das betrifft ja auch Ihren AZ-Verlag. Da heisst es plötzlich aus Bern, das TeleM1 sei zu boulevardesk. Ist die Regierung nun auch Programmgestalter? Als die Konzessionsvergabe im Bundesrat besprochen wurde, kam ich mir vor wie einer in der Willkürherrschaft des kommunistischen Sowjets. Ich hätte diese Dreistigkeiten nie für möglich gehalten! Bundesräte bestimmten, wer ein gutes Programm macht und eine Konzession erhalten soll und wer nicht. Da ist Italien mit Berlusconi weniger schlimm.

Das ist eine sehr harte Aussage.
Bei Berlusconi weiss man wenigstens, welche Sender ihm gehören. Und er wird als Regierungschef auch einmal abtreten und seine Fernsehen mitnehmen. Bei uns bleibt das Staatsfernsehen bei der Regierung, auch wenn Herr Leuenberger abtritt. Sogar die Zeitungen werden in der Schweiz vom Bundesrat gesteuert, weil die Verlage über die Finanzierung des Regionalfernsehens und die Konzessionsvergaben an Radios vom Staat abhängig sind. Die Vielfalt der Meinungen ist nicht mehr garantiert, weil die Konkurrenz nicht spielt und der Wettbewerb der Ideen unterdrückt wird. Das ist eine fatale Entwicklung.

Gilt das auch für die Presse?
Ja. Die Pressekonzentration führt zur Monopolisierung. Wir haben im Tageszeitungsbereich in vielen Gebieten der Schweiz fast eine Monopolsituation von Tamedia und «NZZ». Ich bekomme Briefe von Gewerblern, die sich beschweren, weil die Inseratepreise in der Westschweiz um 45 Prozent angehoben wurden. Das ist eine typische Monopolerscheinung. Nach dem Gebietsabtausch mit der «NZZ» ist Tamedia im Kanton Zürich mit allen Landzeitungen annähernd ein Monopolist. Die «NZZ» desgleichen in St. Gallen und Thurgau. Ich verstehe nicht, dass dies kartellrechtlich nicht unterbunden wird.

Wie ordnen Sie die grossen Zeitungen auf Ihrem Links-rechts-Schema ein?
Mir geht es nicht um eine linke oder rechte Zeitung, ich will Meinungs- und Medienvielfalt. Fast jede Zeitung behauptet von sich, unabhängig zu sein. Ich frage mich: unabhängig von wem? Von den Lesern? Von der Wahrheit? Vom Staat? Vom Mainstream? Ich kämpfe dafür, dass die SVP nicht auch noch abhängig wird von den Medien.

Manifestiert sich die Unabhängigkeit darin, dass die SVP 8 bis 10 Millionen Franken in einen Abstimmungskampf investieren kann?
Das ist jetzt auch gar etwas viel. Aber Sie haben recht. Weil die andern Parteien breit und ausführlich im Redaktionsteil zu Wort kommen, muss es die SVP mit Inseraten tun. Das kostet auch mich viel, aber soviel ist mir die Schweiz wert.

Kürzlich wurde bekannt, dass die SVP Schwyz im «Boten der Urschweiz» nur ein Inserat schalten wollte, wenn die Zeitung dafür Inhalte der SVP übernimmt. Was sagen Sie dazu?
Bei kleinen Landzeitungen ist es normal, dass nur Inserate für Veranstaltungen geschaltet werden, wenn auch im redaktionellen Teil darauf hingewiesen wird.

Wenn ökonomischer Druck die Unabhängigkeit von Zeitungen einschränkt, stört Sie das nicht?
Es ist ja niemand gezwungen, auf den Wunsch eines Inserenten einzugehen.

Befürchten Sie, dass die Basler Zeitung trotz Suter als Eigentümer bald einem Grossverlag gehören wird?
Ich nehme an, Herr Tettamanti wird Herrn Suter gesagt haben, dass er mit seinem Engagement verhindert hat, dass sie in die Hände eines Grossverlags fällt. Ich hoffe, dass dies auch Moritz Suter so sieht.

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