VON OTHMAR VON MATT

Am CVP-Parteitag in Delsberg sollen am 20. Juni nicht nur Gesundheitsspezialisten und Politiker auftreten – sondern auch Nicolas Betticher, Generalvikar der Diözese Lausanne, Genf und Freiburg. «Wir laden Betticher zum Dialog ein», sagt Parteipräsident Christophe Darbellay.

«Er hat Dinge gesagt, die sehr weit gehen», hält Darbellay fest. «Zum Beispiel, die CVP müsse ihr ‹C› fallen lassen, die CVP respektiere die Schwachen in unserer Gesellschaft nicht mehr. Das ist beleidigend und deplaziert.»

Die CVP habe die Lösung zur gestellten Frage nicht. Darbellay: «Wir stellen ethische, menschliche und medizinische und nicht primär finanzielle Fragen: Soll man das Leben à tout prix verlängern oder muss man die Palliativmedizin verstärken?» Er habe mehrheitlich positive Rückmeldungen von Ärzten und Pflegepersonal erhalten.

«Sie fühlen sich sehr einsam mit dieser Frage, empfinden sie als Riesenlast», so Darbellay. «Ich bin erstaunt, dass die Kirche sich solche Frage nicht stellt.» Die Würde des Menschen stehe für die CVP im Zentrum, «dass er würdig auf die Welt kommt, würdig lebt und würdig sterben kann.»

Von einer Einladung wisse er noch nichts, sagt Generalvikar Betticher. «Ob wir teilnehmen, wenn wir angefragt werden, ist offen. Das kommt auf die Art der Einladung an.» Bischof Bernard Genoud nehme aber oft an runden Tischen und politischen Debatten teil – vor allem, wenn es um die Doktrin der katholischen Kirche in der Res publica gehe.

Für Betticher ist dies bei der Frage, ob das Leben Todkranker um jeden Preis verlängert werden soll, zweifellos der Fall. «Das Thema ist sehr wichtig», betont Betticher. «Es geht um den Wert des Lebens und um Fragen rund um das Leben: um das Leben von Ungeborenen wie um das Leben im hohen Alter. Es geht um die Würde des Menschen.»

Ihn stört, dass «diese Diskussion ausgerechnet in der Finanzkrise ausgelöst wird». Betticher: «Nicht Finanzen dürfen Leben definieren. Leben stellt einen absoluten Wert dar. Vor finanziellen Fragen müssen ethische, philosophische, theologische und gesellschaftspolitische Fragen diskutiert werden. Das ist eine Prinzipienfrage.»

Es gebe einen gemeinsamen Nenner der Weltgesellschaft: «Der Rechtsstaat soll das Leben schützen.» Ethische Fragen müssten zuerst oder zumindest gleichzeitig diskutiert werden. Betticher: «Das würde ich besonders von der CVP erwarten, die ein ‹C› im Namen trägt und christlich orientiert sein will.»