Das Gezerre hinter den Kulissen dauerte über Wochen. Mehrfach schienen die Verhandlungen zwischen CVP und BDP zu scheitern. Beteiligt waren die Präsidenten Christophe Darbellay (CVP) und Hans Grunder (BDP), die Fraktionschefs Urs Schwaller (CVP) und Hansjörg Hassler (BDP) – und teilweise sogar die Bundesrätinnen Doris Leuthard (CVP) und Eveline Widmer-Schlumpf (BDP).

Vor allem in der CVP war man sich uneinig. Doch jetzt steht die Einigung kurz bevor. Gemäss Recherchen treffen sich die Parteispitzen am Montag ein letztes Mal, um den Deal zu besiegeln: CVP und BDP wollen in den Grundzügen ein Koordinationsgremium. Die Öffentlichkeit soll am Montag kurz vor Sessionsbeginn um 13. 30 Uhr informiert werden.

Ein Indiz für die schwierigen Verhandlungen war auch das mehrfach gestoppte Vorhaben der Jungparteien JCVP und der Jungen in der BDP. Seit sechs Wochen planen sie eine Online-Petition für die Wiederwahl der Bundesrätinnen Leuthard und Widmer-Schlumpf. Ende Woche erhielten sie von ihren Mutterparteien grünes Licht.

Die Online-Petition wird heute Sonntag aufgeschaltet. «Wir verlinken unsere Homepage mit einem Link auf die Petitions-Homepage», sagt Martin Fröhlich, politischer Sekretär der JCVP. Von einem «Herzensanliegen» spricht deren Präsident Simon Oberbeck. Und Andreas J. Hess, Vertreter der Jungen in der BDP, betont: «Widmer-Schlumpf und Leuthard haben mehrfach gezeigt, dass eine lösungsorientierte Sachpolitik die Schweiz vorwärtsbringt.»

Der Druck auf eine enge Zusammenarbeit zwischen CVP und BDP geht seit drei Jahren in erster Linie auf die JCVP zurück. Sie reagierte am schnellsten. Noch bevor der Zentralvorstand der SVP Schweiz am 1. Juni 2008 die SVP Graubünden und damit Widmer-Schlumpf aus der SVP Schweiz ausschloss, machten die Jungen parteiintern Druck: Die JCVP wollte, dass die Mutterpartei die Bündner Bundesrätin in ihren Reihen aufnahm. Doch die CVP Schweiz lehnte das ab. Die CVP-Politiker waren in ihrer grossen Mehrheit davon überzeugt, die BDP sei eine «Eintagsfliege» und werde bald wieder eingehen.

Eine fatale Fehleinschätzung mit Folgen für die CVP. Statt die Gründung der BDP mit einem Transfer von Widmer-Schlumpf zu verhindern, machte die CVP die BDP stark und indirekt zu einer der Wahlsiegerinnen 2011. Nach der gescheiterten Transfer-Idee begann die JCVP, das Modell einer Union nach dem Vorbild der deutschen CDU/CSU zu entwickeln.

«Wir haben vor drei Jahren ein Papier erarbeitet und es den entsprechenden Gremien der Mutterpartei zukommen lassen», sagt Fröhlich. «Das Modell wuchs auch auf Basis von Gesprächen mit BDP-Vertretern. Es wäre eine Zwischenstufe zu einer Fusion gewesen, die aus föderalistischen Gründen nicht machbar ist.» Zu sehr seien CVP- und BDP-Vertreter in einzelnen Kantonen wie etwa Graubünden Erzfeinde.

Auch die Unions-Idee versickerte, bis sie letzte Woche unverhofft vor allem in den Medien wieder auftauchte. Doch inzwischen ist sie auf oberster Ebene erneut vom Tisch, wie Recherchen zeigen. «Es braucht eine möglichst enge politische Zusammenarbeit, und an einer Fraktionszusammenarbeit führt kein Weg vorbei», betont Fröhlich. «Dafür kämpfen wir seit drei Jahren.» Die Inhalte der Parteien seien ausserordentlich ähnlich. Fröhlich: «Die BDP hat sogar den Begriff ‹christliche Werte› im Programm, als einzige Partei neben der CVP.»

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