Offiziell gibt es vom CVP-Präsidenten Christophe Darbellay nur Dementis: «Alles wie gehabt», sagt er. Oder: «Es gibt nichts Neues zu erzählen.» Doch das stimmt nicht ganz: Hinter den Kulissen tut sich sehr wohl etwas. Die CVP und die BDP wollen im Hinblick auf die Wahlen näher zusammenrücken. Denn wollen die beiden Parteien ihre Bundesratssitze nicht nur verteidigen, sondern langfristig halten, müssen sie in dieser Legislatur vorwärtsmachen.

Das Wort «Fusion» nimmt niemand in den Mund. Doch letztlich dürfte der Weg dorthin führen. Aber anders als 2011 wollen die Parteien nicht zuerst über die Form reden, sondern die Zusammenarbeit über die Inhalte definieren, wie CVP-Fraktionschef Urs Schwaller erklärt. Oder in den Worten von BDP-Präsident Martin Landolt: «Wir wollen der Mitte jetzt Leben einhauchen.»

Die Zusammenarbeit wird aber auch praktisch intensiviert. Die Parteien werden jedenfalls 2015 gemeinsam in die Wahlen steigen: «Wir wollen sicherstellen, dass CVP und BDP wenn möglich überall Listenverbindungen eingehen», betont Landolt. «Und es wird auch eine gemeinsame Wahlkampagne oder eine gemeinsame Wahlplattform geben, die komplementär ist zu den eigenständigen Kampagnen der beiden Parteien.»

Rückenwind für die Fusions-Befürworter gab es in jüngster Zeit reichlich: Zuerst versprach FDP-Präsident Philipp Müller in einem NZZ-Interview: «Sollten CVP und BDP fusionieren, gemeinsam zur Parlamentswahl antreten und dann stärker sein als die FDP, dann haben wir keinen Anspruch mehr auf einen zweiten Bundesratssitz.» Eine Steilvorlage für die neue Mitte aus CVP und BDP.

Dann wurden die neusten Zahlen des Forschungsinstituts GFS Bern veröffentlicht: Werden die am Freitag im Wahlbarometer ausgewiesenen Wähleranteile von CVP und BDP addiert, würde die Mitte-Fusionspartei auf einen Schlag zur zweitstärksten Kraft hinter der SVP aufsteigen. Vor allem für die chronische Wahlverliererin CVP drängt die Zeit. Mit einem Wähleranteil von noch gerade mal 11,7 Prozent nähert sie sich der 10-Prozent-Grenze, wo dann plötzlich auch ihr Bundesratssitz wackeln könnte.

Theoretisch würden die beiden Parteien gut zusammenpassen. Politologe Adrian Vatter vom Institut für Politikwissenschaften der Universität Bern jedenfalls legte im August in einem Vortrag der CVP-Parteileitung die Gemeinsamkeiten der beiden Parteien dar. «Gerade aus der Sicht der CVP scheint eine Zusammenarbeit notwendig zu sein. Die CVP hat in den letzten 12 bis 16 Monaten rund 20 Prozent ihrer Wählerschaft verloren. Das heisst, sie muss sich eine Alternative zum Alleingang überlegen», sagte Vatter damals der «Tagesschau».

Ein erster Schritt für die gemeinsame Zukunft ist die Abstimmung über die Autobahn-Vignette vom 24. November. CVP und BDP haben zusammen den Lead für die Ja-Kampagne übernommen.

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