Bundesrat lehnt Sponsoring-Regel ab

Unis sollen selbst über private Geldgeber entscheiden – Professoren fürchten um die Unabhängigkeit der Forschung.

Der «Zürcher Appell» von Wissenschaftern, die sich vor dem Einfluss privater Geldgeber auf die Unis fürchten, stösst beim Bundesrat auf taube Ohren. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann hat sich diese Woche in einem Schreiben an die Verfasser des Appells gegen hochschulübergreifende Regeln im Umgang mit Sponsoring-Geldern ausgesprochen. Diesbezüglich sehe er «keinen Handlungsbedarf», hielt der Bundesrat fest. Allfällige Beschränkungen will er den Universitäten selbst überlassen.

Im Februar hatten 27 namhafte Schweizer und ausländische Professoren im sogenannten «Zürcher Appell» gegen das 100-Millionen-UBS-Sponsoring an der Uni Zürich protestiert: Die Universität lasse es zu, dass die Bank sie als Interessensplattform benutze. Das habe nichts mit Wissenschaft zu tun, sondern einzig mit Marketing, kritisieren sie. Die Professoren stossen sich insbesondere daran, dass die Details der UBS-Verträge noch immer geheim gehalten werden.

«Wir sind enttäuscht, dass die Bildungspolitik das Problem nicht erkannt hat», sagt Ursula Pia Jauch, Philosophieprofessorin an der Uni Zürich und Mitverfasserin des Appells. Zwar sieht Schneider-Ammann die Freiheit der Forschung als «oberstes Gebot», doch den Professoren reicht es nicht, dieses Gebot «nur mit Worten anzuerkennen», wie sie in einer Replik schreiben. Sie fürchten um die Unabhängigkeit der Hochschulen. Es brauche schweizweit einheitliche Regeln, um die Gefahren einzudämmen. «Dafür werden wir uns weiter einsetzen», sagt Jauch.

Doch mit der Absage des Bundesrats sinken die Chancen auf eine schweizweite Lösung weiter. Erst vor wenigen Wochen hatte sich die Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten (Crus) gegen strengere Regeln für privates Sponsoring ausgesprochen.

Der Rektor der Uni Basel und Präsident der Crus, Antonio Loprieno, sieht private Finanzierung vielmehr als unerlässliches Mittel für die Zukunft. «Es wäre selbstmörderisch, sich nicht um private Geldgeber zu bemühen», sagt er. Der Wettbewerb zwischen den Universitäten werde immer härter, die Forschung immer teurer. «Die Schweiz droht ins Hintertreffen zu geraten», fürchtet er. Die Hochschulen dürften deshalb nicht nur auf staatliche Unterstützung setzen. «Wir müssen die Nähe zu den Geldgebern erhöhen.» Loprieno strebt deshalb neue Modelle an. Ähnlich wie im Sport könnten Mäzene Namensgeber für neue Universitätsgebäude werden, wenn sie diese finanzieren.

Im reinen Namenssponsoring sieht Jauch nicht das entscheidende Problem. Gefährlich werde es dann, wenn die Geldgeber die Forschungsergebnisse und die Besetzung der Lehrstühle beeinflussten.

Schweizer Universitäten werden insgesamt jährlich mit einer halben Milliarde Franken gesponsert. Das macht rund 7 Prozent des Gesamtbudgets aus.

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