Monatelang bereitete die Bundesanwaltschaft (BA) das grosse Ereignis vor: Die Jahreskonferenz der Internationalen Vereinigung der Staatsanwälte (IAP), die in der zweiten Septemberhälfte in Zürich und Bern stattfand. BA-intern hiess es schon lange vorher, ein wichtiges Ziel dieser Anstrengungen sei, die Bundesanwaltschaft und deren Chef Michael Lauber in möglichst gutem Licht erscheinen zu lassen. Interne Kritiker sagten, man habe wegen der Konzentration auf die IAP sogar die Bekämpfung der Cyber-Kriminalität (Phishing) hintangestellt, verwalte die etwa 250 eingegangenen Anzeigen nur.

Recherchen der «Schweiz am Sonntag» zeigen nun: Die Bundesanwaltschaft engagierte sogar eine Kommunikationsagentur, um sicherzugehen, dass die internationale Konferenz zum Prestigegewinn wird.

In einem Papier, datiert Ende Juli, umriss BA-Infochef André Marty den Auftrag an die PR-Agentur. Da steht etwa unter «Kernbotschaften», die dem Publikum zu vermitteln seien: «Den Schweizer Event als sehr gut organisierte Plattform der weltweit tätigen Staatsanwälte aufzeigen». Weiter soll der Anlass «der Bundesanwaltschaft als Kompetenzzentrum des Bundes Visibilität geben». Weiter solle aufzeigt werden: «Die BA als Kompetenzzentrum des Bundes spielt in der Champions League der internationalen Strafverfolger mit.» Als zu umschiffendes Risiko wurde genannt: «Der Anlass wird als reine Image-Pflege wahrgenommen.» Eine weitere Gefahr, die lauere und umgangen werden müsse: «Zu viel Visibilität des Bundesanwalts (CH Neidkultur)». Man durfte demnach auch nicht zu dick auftragen.

In diesem PR-Drehbuch um den Champions-Beweis der helvetischen Strafverfolgung kam der Fussball-Skandal um die Fifa mit Sepp Blatter und Michel Platini wie gerufen. Letzterer ist sinnigerweise ja auch Präsident der Uefa, die die Champions League durchführt.

Ende August, zwei Wochen vor der Konferenz, wurden die internationalen Medien zur IAP eingeladen. Wie es der Kommunikations-Auftrag an die Agentur vorsah. Der Köder in der Einladung: «Medienkonferenz zu den Fussball-Strafverfahren». Also zur Fifa.

Die Medienkonferenz fand am 14. September statt, mit Bundesanwalt Michael Lauber und US-Justizministerin Loretta Lynch in Zürich. Sie präsentierten am Rand der IAP «neue Datenberge und alte Fakten» zur Fifa, wie etwa «cash.ch» im Anschluss titelte.

Doch das war nur der Anfang. Die BA, die in den Monaten zuvor nur zögerlich und nie mit einer Hausdurchsuchung gegen Fifa und Blatter vorgegangen war, teilte in der Woche nach der IAP mit: «Die Bundesanwaltschaft der Schweiz hat gegen den Präsidenten der Fifa ein Strafverfahren (…) eröffnet». Eine Hausdurchsuchung habe stattgefunden, Blatter sei als Beschuldigter einvernommen worden. Uefa-Präsident Platini, der von Blatter eine ungerechtfertigte Millionenzahlung erhalten haben soll, geriet ebenfalls ins BA-Visier.

Die Bundesanwaltschaft gibt sich auf Anfrage eher wortkarg zur PR-Offensive. Auf die Frage, ob die Ziele erreicht und der Champions-League-Nachweis gelungen sei, hält eine Sprecherin fest: «Die Bundesanwaltschaft ist der Ansicht, dass sie die von ihr gesteckten Ziele bezüglich der IAP-Konferenz erreicht hat.»

Und: «Zur Unterstützung dieses Grossanlasses mit sehr grosser Medienbeachtung – an der Eröffnungssession und an der Medienkonferenz haben je zwischen 100 und 140 Medienschaffende aus der Schweiz und aus dem Ausland teilgenommen – war logistische Unterstützung nötig. Dazu sind Offerten von drei Kommunikationsagenturen eingeholt worden für ein einmaliges Mandat.»
Andere Fragen lässt die BA hingegen offen. Etwa die nach den Kosten der PR-Agentur. Oder die Frage, was mit «CH Neidkultur» genau gemeint war.

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