VON OTHMAR VON MATT

Die Projekte ähneln sich. Die Berner Kantonsregierung harmonisiert erstmals ihre 14 000 Computerarbeitsplätze – ein 80-Millionen-Projekt. Und die Bundesverwaltung harmo-nisiert zurzeit ihre 30 000 Computerarbeitsplätze – ein 42-Millionen-Projekt.

In einer Sache geht Bern aber anders vor als der Bund: Während die Bundesverwaltung bis 2011 alle Arbeitsplätze auf das Betriebssystem Windos Vista umrüstet, wartet Bern ab. «Wir überspringen das Betriebssystem Windows Vista und gehen direkt auf Windows 7», sagt Finanzdirektor Urs Gasche.

Der Kanton Bern folgt damit einer Microsoft-Empfehlung. Vize Bill Veghte hatte Geschäftskunden vor sechs Tagen an einer Konferenz ausdrücklich empfohlen, Windows Vista zu überspringen. Der Kanton Bern habe den Entscheid so gefällt, «weil es billiger ist, nicht jede neue Software zu installieren», sagt Gasche.

Beim Bund war die einheitliche Büroautomation aller Arbeitsplätze und damit verbunden der Umstieg von Windows 2000 und Windows XP auf Windows Vista aber schon seit einiger Zeit geplant. Dies sagt Peter Trachsel, stellvertretender Delegierter des Informatikorgans des Bundes (ISB).

Das Wirtschaftsdepartement EVD habe bereits «mit Bravour» umgestellt, betont Herbert Roth, Integrations-manager des Bundes. «So schlecht kann Vista nicht sein, es funktioniert bestens.»

Das 42 Millionen teure IT-Harmonisierungsprojekt des Bundes ist umstritten, weil es ohne öffentliche Ausschreibung an Microsoft vergeben wurde. Der Verein/ch/open hat nun beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde eingereicht.

Der Fall Vista überrasche ihn nicht, sagt Matthias Stürmer vom Vorstand des Vereins. Er spricht von einem «Teufels-kreis», den es zu durchbrechen gelte: «Microsoft bindet Firmen mit Enterprise Agreements an sich, weil es neue Lizenzen verkaufen können muss.»

Immerhin: Klar ist inzwischen, dass ab 2011 Aufträge ausge-schrieben werden sollen – vor allem ein eventuelles Outsourcing der gesamten Büroautomation.

Das bestätigt Roth. Microsoft-Sprecherin Josef betont, Vehtes Aussagen seien falsch verstanden worden. «Er wollte sagen: Wer jetzt Vista testen will, testet besser bereits Windows 7. Es ist bereits sehr stabil.»