Die Gegner der Buchpreisbindung warnen: Werden die Preise für Bücher wieder fix, dann müssen die Konsumenten tiefer in die Tasche greifen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Mit der Wiedereinführung Buchpreisbindung würden die Preise fallen, sagt Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbands (SBVV). Und zwar um 10 bis 15 Prozent, wie Andreas Grob, Chef des Buchzentrums, ergänzt. «Vielleicht sogar um 20 Prozent.»

Der Grund: Die Verkaufspreise im Laden sind heute höher als die Listenpreise, die vor allem wegen der Euroschwäche stark gefallen sind. Mit der Preisbindung würden diese unverbindlichen Preisempfehlungen der Verlage zum Verkaufspreis. Krasse Fälle, bei denen Bücher hier 50 Prozent mehr kosten als im Euro-Raum, sollte es dann nicht mehr geben. Das sagt auch Preisüberwacher Stefan Meierhans: «Die Ausreisser nach oben würden wegfallen, ebenso wie die Ausreisser nach unten.» Das heisst: Auch Rabatte von 30 Prozent oder mehr für Bestseller gehörten dann der Vergangenheit an.

Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) bedauert zwar, dass solche kurzfristigen Aktionen nicht mehr möglich wären, steht aber trotzdem hinter der Vorlage, über die wir am 11. März 2012 abstimmen. «Über den gesamten Buchmarkt gesehen, werden die Preise sinken», sagt SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder. «Das ist für uns entscheidend.» Und noch etwas gefällt Stalder an der Vorlage: Würden die Preisvorgaben gegen oben nicht eingehalten, müsste der Preisüberwacher eingreifen. «Mit dem Buchpreisbindungsgesetz hätten wir endlich eine Branche, bei welcher der Preisüberwacher bei überteuerten Importpreisen eingreifen könnte», sagt Stalder. «Das hätte Signalwirkung.»

Die Befürworter fixer Preise untermauern ihr Versprechen von fallenden Buchpreisen mit Zahlen des Bundesamts für Statistik: Während die Preise zwischen 1983 und 2007 für Zeitschriften um rund 55 Prozent, für Schuhe um 80 Prozent und für Brot um fast 100 Prozent gestiegen sind, liegt das Plus bei den Büchern im gleichen Zeitraum – unter dem Regime der alten, 2007 abgeschafften Buchpreisbindung – bei vergleichsweise tiefen 14 Prozent.

Trotz absehbarem Preisrutsch kämpft die Branche weiter für die Preisbindung. «Natürlich haben wir keine Freude an fallenden Preisen», sagt Grob. «Aber wir nehmen das in Kauf, weil wir wieder einen geordneten Buchmarkt nach europäischem Vorbild wollen. Wir glauben, dass das auch im Interesse aller Buchkonsumenten ist.» Die Preisbindung sei «keine Hängematte, auf der es sich die Branche gemütlich machen kann», ergänzt Landolf. Der Buchhandel stehe so oder so vor schwierigen Zeiten.

Das zeigen auch die jüngsten SBVV-Zahlen. Der Umsatz im hiesigen Buchmarkt ist 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 7,8 Prozent geschrumpft.

Top 3 für Weihnachten:
Trotz gemischten Kritiken verkauft sich Umberto Ecos «Der Friedhof in Prag» derzeit sehr gut.
Der preisgekrönte Roman «Jacob beschliesst zu lieben» von Catalin Dorian Florescu ist auf Platz zwei.
Der Schweizer Michael Theurillat führt mit dem Krimi «Rütlischwur» derzeit die Bestsellerliste an.


Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!