SP-Nationalrätin Chantal Galladé war spät dran an diesem Montag. Sie traf erst gegen 14.30 Uhr im Berner Hauptbahnhof ein. Genau dann hatte die Session begonnen. Sie eilte zum Ausgang Neuengasse. Draussen angelangt, stellte sie die Koffer ab, zündete sich eine Zigarette an und wollte Richtung Bundeshaus eilen. Als plötzlich zwei Polizisten vor ihr standen.

Diese büssten sie – wegen Verstosses gegen das Nichtraucher-Gesetz. Galladé war perplex. Sie stand vor dem Bahnhof, unter freiem Himmel, ein Rauchverbot hatte sie nirgends gesehen. Die Polizisten verlangten Galladés Ausweis. Um die Hände freizubekommen, wollte die Zürcherin ihre Zigarette beim Aschenbecher ausdrücken. Die Polizisten intervenierten: Sie solle die Zigarette auf den Boden werfen. Das machte Galladé nicht: Wer in Bern dabei erwischt wird, zahlt 40 Franken Busse. Sie laufe bestimmt nicht weg, die Koffer seien das Pfand, sagte sie. Als die Polizisten Galladés Identitätskarte kontrollierten, sagte einer: «Hätten wir gewusst, wer Sie sind …» Da unterbrach Galladé ihn: «Behandeln Sie mich wie jeden anderen Bürger.»

Die Polizisten füllten ein Bussenprotokoll aus. Die Busse gehe vor den Polizeirichter, komme auf bis zu 300 Franken zu stehen, sagten sie. Galladé unterschrieb. «Das fand ich unglaublich», sagt die SPNationalrätin. Nirgendwo habe sie ein Rauchverbotsschild gesehen.

Wer genau hat die Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats (SiK) wegen was gebüsst? Bei der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern glaubt man zuerst an einen Scherz. «Sind Sie sicher, dass dieser Fall Bern betrifft?» Gemäss kantonalem Gesetz sei nur Rauchen in öffentlich zugänglichen Innenräumen strafbar. Dieses Beispiel falle nicht in dieses Themengebiet. Des Rätsels Lösung: Es war die Privatfirma Securitrans, die im Auftrag der SBB seit August die Eingänge kontrolliert.

Nur: Der Vorplatz des Neuengass-Ausgangs liegt auf Stadtgebiet. Die Securitrans erfülle für die Stadt dieselbe Aufgabe wie für die SBB gemäss Bahnhofordnung, bestätigt Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause. Ein Augenschein zeigt: Weder beim Ausgang noch auf dem Vorplatz ist ein Rauchverbot ersichtlich. Die Bahnhofordnung besagt aber, Rauchen auf dem Bahnhofareal sei «in den bezeichneten Nichtraucherzonen» nicht gestattet. Der Eingang Neuengasse sei «ein belasteter Perimeter», sagt Nause. Er erhalte, auch von Politikern, mehr Kritik wegen Bettlern und Randständigen, die sich dort aufhielten. Nause: «Chantal Galladé soll mich anrufen. Dann können wir das klären.»

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