Im Sommer 2011 flog Andreas W.* auf. Der Lehrer aus dem Kanton Zürich brachte seinen PC zur Reparatur – und verriet sich damit selbst. Auf der Festplatte seines Computers fand die zuständige Firma Hunderte Kinderpornos. Lehrer W. erhielt seinen PC erst gar nicht zurück. Die Firma gab ihn direkt an die Staatsanwaltschaft weiter. Die leitete ein Strafverfahren gegen W. ein und informierte die Schulbehörde. Die Folge: W. wurde sofort vom Dienst freigestellt. Nach seiner Verurteilung bekam er Berufsverbot.

«Dies ist zwar ein Einzelfall, aber leider doch typisch», sagt Martin Wendelspiess, Leiter des Volksschulamtes des Kantons Zürich. Mit Lehrern wie W. macht der Kanton neu kurzen Prozess: Ihnen wird zwingend das Fähigkeitszeugnis entzogen, sie erhalten Berufsverbot, und das schweizweit. Das sieht ein neuer Gesetzesparagraf vor, der zum 1. 1. 2012 in Kraft getreten ist.

«Bisher hatten wir bei Sexualdelikten einen Spielraum», sagt Wendelspiess. «Die neue Regelung macht unsere Arbeit einfacher: Der Entzug des Lehrerdiploms ist zwingend. Da gibt es keine Diskussion.» Der Entzug des Lehrerdiploms sei zudem wesentlich effizienter als eine einfache Entlassung. Wendelspiess: «Der betreffende Lehrer kann nicht einfach an einen anderen Ort wechseln und dort weiter unterrichten.»

Auch andere Kantone sagen pädophilen Lehrern den Kampf an: In Basel-Stadt etwa diskutieren im Frühling Regierungsrat und Grosser Rat eine entsprechende Gesetzesänderung. «Ein Entzug des Lehrerdiploms ist in Basel-Stadt zurzeit nicht möglich», sagt Hans Georg Signer, Leiter Bildung beim Erziehungsdepartement Basel-Stadt. «Die Rechtsgrundlage wird dieses Jahr geschaffen.»

Konkret sieht der Gesetzesentwurf vor, dass der Vorsteher des Erziehungsdepartements Lehrer vom Schuldienst ausschliessen kann, «wenn die Eignung für die Lehrtätigkeit fehlt». Zudem muss der Ausschluss zwingend an die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) gemeldet werden, damit die den Lehrer in die Liste über Lehrpersonen ohne Unterrichtsberechtigung aufnimmt.

Zürich und Basel-Stadt setzen mit ihrer Nulltoleranz-Politik gegenüber pädophilen Pädagogen neue Massstäbe. Zwar ist es auch in Kantonen wie St. Gallen und Bern möglich, fehlbaren Lehrern die Unterrichtsberechtigung zu entziehen – zwingend ist es dort nicht. Deshalb wollen weitere Kantone dem Vorbild von Zürich folgen: «Wir haben unser neues System anderen Kantonen vorgestellt», sagt Wendelspiess. «Verschiedene Kantone waren sehr daran interessiert.»

Dass Bedarf besteht, zeigt ein Blick in die Statistik: Allein in Zürich wurden in den letzten elf Jahren 28 Lehrer vom Dienst suspendiert. Dabei ging es in 14 Fällen um Internet-Pornografie, in 12 Fällen um sexuelle Übergriffe. Im Kanton Bern wurde im gleichen Zeitraum 6 Lehrern die Unterrichtsbewilligung entzogen.

In zunehmendem Masse ertappen die Staatsanwaltschaften Lehrer, die sich im Internet Kinderpornos herunterladen. «Fast jedes Mal, wenn bei internationalen Aktionen Hunderte Männer wegen Kinderpornografie überführt werden, sind auch Lehrer dabei», sagt Wendelspiess. «Bei solchen Delikten kann es kein Pardon geben.»

Für die Erziehungsdirektoren sind die neuen Gesetze ein richtiger Schritt: «Es ist sehr wichtig, dass die Behörden die Möglichkeit haben, zum Schutz der Institution Schule und der Kinder einer Lehrperson die Unterrichtsbefugnis zu entziehen», sagt Susanne Hardmeier, stellvertretende EDK-Generalsekretärin. «Wir begrüssen es, wenn dies auf kantonaler Ebene klar und präzise geregelt wird.»

*Name von der Redaktion geändert

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