Für einmal war der flotte Spruch nicht besonders gut getimt. Als Ständerat Philipp Müller in seiner Abschiedsrede seine fünf Vize ehrte, lobte er Vincenzo Pedrazzini für die Wahlkampagne. Und hielt fest, Pedrazzini verdiene nichts. «Das hat er auch nicht nötig», meinte Müller - und fügte hinzu: «Und er ist nicht in der Panama-Liste.» Obwohl ihm SP-Nationalrat Cédric Wermuth unter die Nase gestrichen habe, bei der FDP stehe sowieso jeder darauf.» Müllers trockene Entgegnung: «Das ist Ehrensache.»

Ob Philipp Müller wusste, dass er mit seinen Aussagen indirekt seine Nachfolgerin Petra Gössi thematisierte, die mit 337 Stimmen und einer stehenden Ovation glanzvoll zur neuen Präsidentin gewählt wurde? Gössis Arbeitgeber, die Baryon AG, hatte in den 2000er Jahren zwei Gesellschaften im Handelsregister von Panama eingetragen: die Shirling Enterprise S.A. und die Cardross Development Corp. Bei Shirling wird die Baryon AG als Direktorin aufgeführt, bei Cardross Martin Wipfli, der Mehrheitsbesitzer und Geschäftsführer der Baryon. Wipfli ist nicht nur Gössis Arbeitgeber, sondern auch Wahlkampfleiter der FDP Schwyz und enger Vertrauter Gössis.

Die Baryon AG hatte 1998 den Geschäftsbereich Vermögensverwaltung zu den Bereichen Steuerberatung und Unternehmensberatung hinzugefügt, als zwei Mitarbeiter einer Schweizer Privatbank zum Beratungsunternehmen wechselten. Die beiden brachten Kunden mit, die insgesamt ein Vermögen in der Höhe von 430 Millionen Franken besassen. Darunter die Shirling Enterprise S.A. und die Cardross Development Corp.

Die Shirling Enterprise S.A. sei die Investmentgesellschaft einer Stiftung gewesen und «nach unserem Wissen nicht zwecks Steueroptimierung» gegründet worden, sagt Wipfli. Ab 2000 war die Baryon mit der Vermögensverwaltung beauftragt, 2010 wurde die Gesellschaft liquidiert. Sie verfügte zu diesem Zeitpunkt über Vermögenswerte von rund 2,5 Millionen. Der Liquidationserlös sei an die bestehende gemeinnützige Stiftung überführt worden, sagt Wipfli, «Sie fördert ausschliesslich Projekte im Zusammenhang mit SOS Kinderdörfern.»

Die Cardross Development Corp. sei 1973 als Investmentgesellschaft einer Familienstiftung gegründet worden, hält Wipfli fest. «Auch sie wurde unseres Wissens nicht zwecks Steueroptimierung gegründet.» Die Baryon AG wurde 2000 mit ihrer Vermögensverwaltung beauftragt. «Im Oktober 2009 wurde die Geschäftsbeziehung aufgelöst», betont er. Die Baryon habe es aber unterlassen zu prüfen, ob die Mutationen im Handelsregister vorgenommen worden seien. «Wir werden die notwendigen Schritte in den nächsten Tagen veranlassen.»

Ab 2001 hatte die Baryon AG mit der Analyse der Kundenbeziehungen der Privatbank begonnen. Rund 70 Prozent der 430 Millionen des verwalteten Vermögen der Privatbank sei verloren gegangen, sagt Wipfli. Zehn Prozent hätten der Besteuerung zugeführt werden können.

Seither hat die Baryon AG 350 Millionen neue verwaltete Vermögen aquiriert, die «nachweislich versteuert sind», wie Wipfli sagt. «Heute sind 97,5 Prozent aller von der Baryon AG verwalteten Vermögen versteuert. Die restlichen 2,5 Prozent sind in Abklärung.» Die Baryon habe ihre Vermögensverwaltung 1998 mit einer Weissgeldstrategie aufgebaut, da der Verwaltungsrat das wollte.

VR-Präsident der Baryon AG ist heute Franz Steinegger, Ex-FDP-Präsident. Der Urner Martin Wipfli hatte bei Steinegger das Anwaltspraktikum gemacht. Später gründete Wipfli die Baryon AG und holte Steinegger als VR-Präsident. Dass Wipfli denselben Nachnamen trägt wie Steineggers Ehefrau Ruth Wipfli ist Zufall - die beiden sind nicht verwandt.

Vincenzo Pedrazzini seinerseits hat nichts mit Baryon zu tun. Er lebt aber im Kanton Schwyz und ist Vize und Wahlkampfleiter der FDP Schweiz. Und für die Wahl vom Samstag war er Präsident der Findungskommission.

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