VON CHRISTOF MOSER UND OTHMAR VON MATT

Herr Blattmann, wer ausser dem Bundesrat will eigentlich noch neue Jets?
Zwischen Bundesrat Maurer, Korpskommandant Gygax und mir gibt es keine Differenzen. Wir haben immer gesagt, dass wir neue Kampfjets brauchen. Wir haben aber auch immer gesagt, dass wir schauen müssen, ob wir sie uns leisten können. Jetzt liegen Zahlen und Fakten auf dem Tisch. Wir haben eine Mängelliste erstellt, die aufzeigt, dass die Armee massiv unterfinanziert ist. Und wir haben entschieden, dass wir die Jets zwar brauchen, aber dass eine Beschaffung zum jetzigen Zeitpunkt nicht infrage kommt.


Weil die Jets sieben Milliarden Franken kosten, alles inklusive?
Wir gehen davon aus, dass die Gesamtkosten mindestens das Zweifache des Kaufpreises ausmachen, also das Zweifache von 2,2 Milliarden. Dabei sind neben den Beschaffungskosten auch Waffen, Piloten und Ausbildung eingerechnet. Mit Unterhalt und Benzinkosten kommen wir in die Grössenordnung von sieben Milliarden. Aber man muss die Kosten für die Investition und den Betrieb getrennt voneinander ausweisen, sonst ergibt sich ein verzerrtes Bild.


Zu teuer sind die Jets aber auch, wenn sie billiger sind?
2,2 Milliarden sind ein zu grosser Brocken, angesichts der aktuellen Mängel bei der Armee. Ich will Flieger, die wir anschaffen, auch betreiben können. Österreich hat 15 Eurofighter und 14 Piloten. Die Kollegen mussten die Flugstunden so weit zurückfahren, dass das Training nicht mehr garantiert ist, weil sie sonst für den Eurofighter den Rest der Armee stilllegen müssten. Auch bei uns ist der Verzicht auf die Kampfflieger primär eine Geldgeschichte. Die Schweizer Armee hat zu wenig Geld.


Es fehlen 500 bis 700 Millionen pro Jahr, sagt Bundesrat Maurer.
Wir haben fast bis auf den Rappen genau ausgerechnet, wie viel Geld der Armee jährlich fehlt, um den Auftrag der Armee erfüllen zu können. Seit der Einführung der Armee XXI im Jahr 2004 sind es pro Jahr 725 Millionen. Pro Jahr!


Das bedeutet?
Die Armee hat seit 1998 insgesamt 3,5 Milliarden Franken sparen müssen. Das ist ein politischer Entscheid, den wir zu akzeptieren haben. Aber das bedeutet auch Soldaten, die keine Fahrzeug haben, um in den WK ihren Auftrag erfüllen zu können. Es bedeutet, dass nur zwei von neun Brigaden mit genügend Material ausgerüstet sind. Das ist gegenüber unseren Milizsoldaten nicht in Ordnung, die ihren Dienst ordentlich leisten wollen, und es ist gegenüber der Bevölkerung nicht in Ordnung, weil wir so tun müssen, als könnten wir unsere Aufträge erfüllen, aber in Wahrheit nicht genügend Ausrüstung haben.


Es wird herumgeboten, bereits das WEF bringe die Armee an ihre Grenzen.
Wir können für das WEF unseren klar definierten Auftrag erfüllen. Aber würde zusätzlich etwas passieren, müssten wir bei der Führungsunterstützung auf eine Rekrutenschule zurückgreifen, um Verbindung herzustellen. Rechnen wir: Ende Oktober beginnen die Rekrutenschulen, im Februar ist das WEF – wir haben Glück: Bis dahin sind die Rekruten genügend ausgebildet für einen Einsatz. Wir leben von der Hand in den Mund.


Halten Sie es für realistisch, dass die Armee mehr Geld erhält?
Ich rechne fest damit, dass wir 2011 mehr Geld erhalten. Den Entscheid des Bundesrats, die Beschaffung der Kampfjets weiterzuführen, werte ich als Signal, dass der Bundesrat unsere Botschaft verstanden hat. Und dass jetzt eine Auslegeordnung gemacht werden muss, wo Investitionen am Dringendsten sind.

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