VON OTHMAR VON MATT

«Wir müssen langfristig überlegen, ob wir weiterhin Kampfpanzer benötigen.» Das hielt Verteidigungsminister Ueli Maurer diese Woche in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» fest. Nach dem Ende der Betriebszeit der Leopard-Panzer stelle sich die Frage, «wodurch sie ersetzt werden sollen». Maurer stellt damit die Kampfpanzer indirekt und zumindest mittelfristig zur Diskussion.

Gleichzeitig will sein Armeestab aber für mehrere hundert Millionen Franken neue panzerlastige Rüstungsgüter kaufen: Etwa – das Wort hat Kultpotenzial – Entpannungspanzer. Sie entpannen Kampfpanzer, die in Panne geraten sind. Deshalb werden sie auch Bergepanzer genannt: Sie schleppen Kampfpanzer ab. Der Armeestab will zudem neue Brückenpanzer anschaffen.

Dies geht aus dem noch unveröffentlichten Masterplan für die Jahre 2012 bis 2018 hervor. Er enthält Angaben über die längerfristigen Ausbaubedürfnisse der Armee. Und er wurde überarbeitet, nachdem klar geworden war, dass Kampfflugzeuge für die Schweiz auf Jahre hinaus kein Thema sind. Gemäss Informationen des «Sonntags» enthält der Masterplan Rüstungswünsche für mehrere Milliarden Franken:

Entpannungspanzer: Zurzeit besitzt die Armee noch alte Entpannungspanzer 65/88 aus den 60er-Jahren und 25 neue Bergepanzer Büffel, welche Rheinmetall Landsysteme auf der Basis des Kampfpanzers Leopard 2 gebaut hat. Beide Entpannungspanzer werden von der Ruag gewartet.

Im Rüstungsprogramm 2001, über welches die 25 neuen Bergepanzer beschafft wurden, hiess es: Die 69 Entpannungspanzer 65/88 könnten lediglich Kettenfahrzeuge bis 40 Tonnen bergen. Für den Leopard 87 genüge das nicht, da dessen Gewicht 57 Tonnen betrage. Mit der Aufrüstung sei er noch schwerer geworden. Eine Bergung mit dem Entpannungspanzer 65/88 sei deshalb «risikoreich» und «untragbar».

Brückenpanzer: Ersetzt werden sollen zudem die Feste Brücke 69 und der Brückenpanzer. «Das ist dringend, weil die Feste Brücke aus Sicherheitsgründen ersetzt werden muss», hatte Divisionär Eugen Hofmeister, stellvertretender Armeechef, schon Ende 2009 gegenüber dem «Sonntag» betont. «Der Brückenpanzer basiert auf dem Panzer 68, welcher in der Armee nicht mehr im Einsatz steht.»

Der neue Brückenpanzer sei von der Ruag entwickelt worden und basiere auf der Familie des Leopard-Panzers. Die Panzerbrücken seien vielseitig einsetzbar, etwa bei Unwettern, betonte auch Ueli Maurer selbst.

Weiteres: Der Armeestab plant auch, Panzer-Abwehr-Waffen für die Infanterie zu beschaffen, neue Kampfbekleidung und weitere Personenwagen.

Bis vor kurzem stand zudem ein Sensor-Erprobungssystem für Kampfdrohnen auf der Wunschliste der Militärs. Es hätte mehrere hundert Millionen gekostet. Im Armeestab realisierte man aber, dass ein solches Vorhaben chancenlos gewesen wäre.

«Dass die Armee zu wenig Entpannungs- und Brückenpanzer hat, ist eine Tatsache», betont CVP-Nationalrat Jakob Büchler, Präsident der sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats (SiK). Noch sei der SiK aber kein entsprechendes Anliegen unterbreitet worden.

Ein Insider hingegen schüttelt den Kopf. «Diese Beschaffungsideen stehen absolut quer in der Landschaft», sagt er. «Da fehlt mir die Ernsthaftigkeit. Ein Konzept sehe ich nicht dahinter. Offenbar geht es einfach darum, möglichst viel Geld zu verbraten.» Zwei Milliarden Franken liessen sich aus diesem Masterplan locker wegsparen.

Beim VBS betont Sprecher Sebastian Hueber: «Der Masterplan ist eine Eventualplanung. Ohne rollende Planung würde die Armee ihre Arbeit nicht machen. Was konkret beschafft wird, entscheidet sich erst mit dem Rüstungsprogramm.»



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