Eine Schweizer Studie zur Homöopathie sorgt unter Alternativmedizinern international für Aufsehen. Der Bericht, der aus einem Forschungsprogramm des Bundes hervorging und im Februar in einer neuen Fassung als englischsprachiges Buch erschien, kommt zum Schluss: Homöopathie weise eine hohe Wirksamkeit auf und sei kostengünstiger als konventionelle Medizin.

Nun erhebt ein Bioethiker der Universität Basel schwere Vorwürfe gegen die Verfasser der Studie. In einem Artikel für die aktuelle Ausgabe der Fachzeitschrift «Swiss Medical Weekly» schreibt David Shaw, die Öffentlichkeit werde durch die Studie bewusst in die Irre geführt. Die Untersuchung weise grobe wissenschaftliche, logische und ethische Fehler auf. Zum «Sonntag» sagt Shaw: «Es wäre hilfreich, wenn die Schweizer Behörden klarstellen würden, dass sie die Aussagen der Studie keinesfalls teilen.»

Den deutschen Autoren der Studie wirft Shaw vor, es sei ihnen gar nicht um eine objektive Überprüfung der Homöopathie gegangen. Vielmehr hätten sie die Untersuchung von Anfang an so ausgelegt, dass sie ein positives Resultat vermelden konnten. Um dies zu erreichen, seien grundlegende wissenschaftliche Regeln verletzt worden. Da die Studie im Rahmen eines Forschungsprogramms des Bundes entstand, würden die Resultate nun weltweit als «Beweis» für die Wirksamkeit der Homöopathie missbraucht, sagt Shaw, der am Institut für Bio- und Medizinethik der Uni Basel forscht. «Es ist ärgerlich, dass sich Verfechter der Homöopathie nun ständig auf die Schweizer Regierung berufen.»

Tatsächlich weisen Alternativmediziner im Ausland seit der Publikation der Studie im englischsprachigen Raum gerne auf die aus homöopathischer Sicht positiven Resultate hin. Der Alternativmediziner Dana Ullman, ein Aushängeschild der Homöopathen in den USA, betonte neulich in der «Huffington Post» die «lange und weitherum respektierte Tradition der Neutralität» der Schweiz: «Berichte der Schweizer Regierung zu solch kontroversen Themen müssen ernster genommen werden als jene von anderen Ländern.»

Die Kritik an der Studie will das Bundesamt für Gesundheit (BAG) nicht kommentieren. Ein Sprecher der Behörde hält fest, die Untersuchung sei nicht vom BAG in Auftrag gegeben worden, sondern beruhe auf dem umfangreichen Forschungsprogramm des Bundes zur Komplementärmedizin, das 2005 abgeschlossen wurde.

Die eidgenössische Kommission für Leistungen und Grundsatzfragen empfahl denn auch 2010, die Homöopathie nicht wieder in die Grundversicherung aufzunehmen, nachdem sie unter Bundesrat Pascal Couchepin gestrichen worden war. Seit Anfang dieses Jahres werden homöopathische Arzneimittel in der Schweiz dennoch wieder von der Grundversicherung abgedeckt - die Stimmbevölkerung hatten sich 2009 in einer Volksabstimmung für die Komplementärmedizin ausgesprochen. Der Bund klärt deshalb bis 2017 erneut ihre Wirksamkeit ab. Kassenpflichtig sind seit 2012 auch vier weitere Methoden der Komplementärmedizin.

In eine andere Richtung geht die Entwicklung in Grossbritannien, wo der Vertrieb von homöopathischen Produkten gesetzlich stark eingeschränkt werden soll. Und in den Niederlanden haben sich die politischen Parteien vor zwei Wochen darauf geeinigt, die Hersteller von homöopathischen Arzneimitteln zu einem Wirksamkeitsnachweis zu verpflichten – andernfalls werden ihre Produkte nicht mehr wie bis anhin von der Mehrwertsteuer befreit.

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