VON PETER BURKHARDT

Der Brandanschlag auf das Jagdhaus von Novartis-Chef Daniel Vasella in Tirol und die Schändung des Grabes seiner Eltern in Chur wühlen die Schweiz auf. Doch nicht nur Vasella gehört zu den Opfern militanter englischer Tierschützer.

An Leib und Leben bedroht wurde auch Novartis-Verwaltungsrat Ulrich Lehner. Wie das «Wall Street Journal» gestern berichtete, platzierten britische Aktivisten im Mai Brandsätze unter zwei von Lehners Autos, die vor seinem Haus in Düsseldorf parkiert waren. Lehner entdeckte aber glücklicherweise das entzündliche Material, bevor es Schaden anrichten konnte.

Schon im April war es britischen Tierschutz-Aktivisten gelungen, über das Tor von Lehners Haus zu klettern. Sie sprühten Graffiti auf die Hauswände und gossen ein Abbeizmittel über seinen Porsche. Nach beiden Taten veröffentlichten die Täter einen Bekennerbrief auf der Internetseite Bite Back, die Teil der Aktivistenszene ist. Novartis-Sprecher Satoshi Sugimoto bestätigt beide Vorfälle.

Zur Zielscheibe gewalttätiger Tierschützer wurde auch ein Schweizer Verwaltungsrat von Novartis, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte. Laut seiner Schilderung attackierte vor zwei Jahren eine Bande Vermummter sein Haus.

Für den Betroffenen, der sich zusammen mit seiner Frau im Haus befand, ein Horror: Die Vandalen schlugen um Mitternacht so heftig auf die Garagentür ein, dass diese einen Spalt abkriegte. Auch zerstörten sie das Fenster der Garagentür und warfen mit Hausrat um sich, der vor dem Haus abgestellt war. Glücklicherweise gelang es ihnen nicht, in das Wohnhaus einzudringen.

Trotz der bedrohlichen Situation wagte es das langjährige Novartis-Verwaltungsratsmitglied, in Begleitung seines Hundes vor das Haus zu treten. Dort traf er auf fünf oder sechs mit Skikappen vermummte Personen. Der Angegriffene ist sich sicher, dass es militante englische Tierschützer waren.

Denn sie schrien in eindeutig britischem Akzent Tierschutz-Parolen und pöbelten ihr Opfer an, bevor sie zu Fuss die Flucht ergriffen. Der Mann schaltete umgehend die Polizei ein. Doch als diese bei seinem Haus eintraf, waren die Übeltäter schon längst über alle Berge. Auch diesen Übergriff bestätigt Novartis-Sprecher Sugimoto.

Dem Ruf von Politikern, terroristische Tier-schutzorganisationen wie die britische Shac zu verbieten, erteilt das Verteidigungsdepartement von Bun-desrat Ueli Maurer derweil eine Absage: «Die betreffende Organisation muss eine grundlegende Bedrohung für die innere Sicherheit der Schweiz darstellen», sagt VBS-Sprecher Martin Bühler. «Die Shac dürfte diesen Kriterien kaum entsprechen.»