Am Morgen des 27. Mai 1990 fuhr die erste Zürcher S-Bahn in Rapperswil los. Sie bildete den Auftakt einer Erfolgsgeschichte. Heute findet die Hälfte des Schweizer Regionalverkehrs im Kanton Zürich statt. Doch das System stösst an seine Grenzen, wie eine Präsentation des ZVV zeigt.

Demnach waren im Jahr 2013 täglich 67 Züge auf Teil-Abschnitten überlastet. In der S12, die kurz vor 18 Uhr zwischen Stadelhofen und Winterthur verkehrt, wurden durchschnittlich 1200 Passagiere gezählt. In der 2. Klasse müssen in diesem Zug üblicherweise 200 Leute stehen, an einzelnen Tagen sind es bis 550. Auch zwei weitere Züge der S12 auf dieser Strecke sowie ein Morgen-Kurs der S7 zwischen Meilen und Stadelhofen transportieren durchschnittlich über 1000 Pendler. Ähnlich voll sind auch drei Züge der S5 und S15 morgens zwischen Uster und Zürich. Mit verschiedenen Ausbauten, die bis 2018 umgesetzt werden, können zwar einige Engpässe gemildert werden. Für zwölf überlastete Züge gibt es aber noch keine Lösung.

Unter dem Titel «S-Bahn 2G» plant der ZVV deshalb einen Systemwechsel. Ab 2030 soll das Netz aufgeteilt werden. In Stadtnähe bis 25 Minuten Fahrzeit sollen innere S-Bahnen verkehren, die alle Stationen bedienen. Auf der sogenannten Stammstrecke zwischen Stettbach und Hardbrücke verkehrt in Zukunft etwa alle zwei Minuten ein Zug. «Express-S-Bahnen» sollen weiter entferntere Orte mit der Stadt verbinden und auf Stadtgebiet nicht mehr überall halten.

Für beide Kategorien soll der Viertelstundentakt gelten. Welche Investitionen dies genau auslösen wird, ist noch unklar. Der ZVV hat im Rennen um Gelder aber gute Karten. Für die Finanzierung eines Viertelstundentaktes setzt der Bund etwa 8000 Pendler am Tag voraus. «Das ist für die Zürcher S-Bahn leicht zu erreichen», sagt ZVV-Chefplaner Dominik Brühwiler. Für andere S-Bahn-Systeme werde das schwierig. Bei der Berücksichtigung von Bundesgeldern erhoffe man sich deshalb höhere Chancen.

Bundesgelder will auch die Sihltal Zürich Uetliberg Bahn (SZU). Sie betreibt die S4 und die S10, die den Süden der Stadt Zürich, das Sihltal und den Üetliberg bedienen. Die Situation auf diesen Linien ist besonders prekär, weil in ihrem Gebiet etliche Wohn- und Büroüberbauungen entstanden und im Bau sind. Die Pünktlichkeit der Züge leidet unter dem Pendler-Andrang. 14 Millionen Passagiere transportierte die SZU letztes Jahr, 2030 sollen es 21 Millionen sein. Bis 2023 sollen nun neun 125 Meter lange einstöckige Züge beschafft werden, welche die heutigen Doppelstock-Züge ablösen. Ihre Beschaffung dürfte 100 Millionen Franken kosten. Ausserdem sind Doppelspur- und Bahnhofsausbauten geplant. Damit soll es möglich werden, einen rekorddichten ganztägigen 7,5-Minuten-Takt zwischen Zürich HB und Binz und Adliswil anzubieten. 2028 ist es so weit – vorausgesetzt, die Bundesparlamentarier sprechen das Geld.

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